Rund um den Stoderer Palmbuschen gibt es viel zu erzählen, insbesondere dann, wenn man selbst zu jenen zählen durfte, die einige Male am Palmsonntag mit den zu großen Bündeln zusammengebundenen Palmbuschen zur Kirche gingen.
Die Kunst des Palmbuschenbindens geben seit Urzeiten die Väter an ihre Söhne weiter, auch wie ein Stoderer Palmbuschen genau auszusehen hat, ist überliefert. Bereits einige Wochen vor dem Palmsonntag beginnt man mit dem Sammeln der zahlreichen Bestandteile im Wald, wobei dies bei seltenen Pflanzen bzw. bei zeitigen Osterfeiertagen aufgrund der mitunter hohen Schneelage gar nicht so einfach ist.
Mit der Zeit hat jeder so "seinen" Weidenstock, "seinen" Baum für die Palmkätzchen oder "seinen" Schradl (Stechpalme). Vater und Sohn erledigen üblicherweise sämtliche Arbeiten gemeinsam - einzig und allein die Suche nach den späteren Abnehmern der Palmbuschen nach der Weihe am Palmsonntag obliegt den Buben allein, denn in der Regel gelangen nur wenige Buschen in den freien Verkauf - man muss also bei Zeiten darauf schauen, dass man in Besitz dieses begehrten Stücks Stoderer Brauchtums kommt.
Ein Stoderer Palmbuschen besteht aus folgenden Teilen und jeder dieser Teile symbolisiert etwas, wie zum Beispiel die drei Knospen an den Haselnusszweigen für die Dreifaltigkeit stehen:
fingerdicker Haselnussstock
ein Büschel Palmkätzchen
der Länge nach gespaltene Weidenrute
ein Schradlzweig (Stechpalme)
ein Kranewittzweig (Wacholder)
ein Zweig mit Eichenlaub (vom Vorjahr)
ein Eibenzweig
ein Segenbaumzweig
drei dünne Haselnusszweige mit je drei Knospen an der Spitze
ein Apfel
ein Holznagel zur Befestigung des Apfels
Sämtliche Zeige werden vor dem eigentlichen Binden zurechtgestutzt und mit dem Messer angespitzt - außerdem wird der Stock abgelängt, der Holznagel geschnitzt und der Apfel poliert. Die in Wasser eingeweikten Weidenruten werden der Länge nach gespalten und für das spätere Binden vorbereitet.
Der Bindvorgang stellt den zeitmäßig kleinsten Teil der Arbeit dar, der einem aber sehr wohl ein gehöriges Maß an Fingerfertigkeit abverlangt. Mit der Weidenrute werden - beginnend mit den Palmkätzchen - sämtliche Zweige kunstvoll zu einer Art Strauß am einen Ende des Haselnussstocks zusammengebunden. Wenn das Binden vollendet ist, steckt man an drei Seiten des Buschens die dünnen Haselnusszweige hinein - zum Schluss wird der Apfel mit dem Holznagel in der Mitte des Buschens befestigt.
Ein wahrer Meister im Palmbuschenbinden war Hans Lang, der alte "Friedlbauer", von dem diese Anleitung stammt.
Palmbuschen bringen dem Brauch nach Segen für Haus und Flur und schützen das ganze Jahr vor Unwettern und Hagelschlag. Wer den Apfel isst, kann mit Gesundheit rechnen.




