Zahlreiche Orte bewerben sich alljährlich für die Abhaltung eines Weltcuprennens, jedoch nur wenige können tatsächlich zum Austragungsort eines solchen werden. Um überhaupt in die engere Auswahl zu kommen, muss sich der örtliche Schiclub in der Austragung von etlichen FIS- und Europacuprennen über Jahre bewährt haben. Jahrelange Erfahrung und ein großer Mitarbeiterstab stellen die Basis dar, wenn ein derartiges sportliches Großereignis reibungslos über die Bühne gehen soll.
Der internationale Schiverband, die FIS, vergibt alljährlich eine gewisse Anzahl von Rennterminen an die nationalen Verbände. Der österreichische Schiverband wiederum ist bemüht, diese Termine unter den Bewerbern gerecht zu verteilen, wobei Hinterstoder als einziger Ort in Oberösterreich die Anforderungen für die Austragung eines Weltcuprennens erfüllen kann. Der kleine Ort steht hier in Konkurrenz mit Saalbach, Lech, Schladming, Bad Kleinkirchheim und anderen. Bei der Reihenfolge der Terminvergaben werden die geographischen Gegebenheiten berücksichtigt. Man versucht für die Rennen im Alpenraum eine sinnvolle Route mit möglichst kurzen Anreisewegen zusammenzustellen. Hinterstoder steht hier meist zwischen den Rennen in Alta Badia und Kransjka Gora.
Entscheidend für die Austragung eines Weltcuprennens ist auch der Streckenverlauf: Hier gibt es sehr strikte Kriterien, die in der jüngsten Vergangenheit dazu geführt haben, dass die alte Weltcupstrecke auf der Bärenalm durch die neue Hannes-Trinkl-Weltcupstrecke ersetzt werden musste. Nunmehr verfügt Hinterstoder über eine moderne, noch anspruchsvollere Rennstrecke von 2.250 Metern Länge, die über eine durchschnittliche Neigung von 35 Prozent und über Steilhänge mit bis zur 60 Prozent Gefälle verfügt und auf der Super G, Riesentorlauf und Slalom für Damen sowie Herren ausgetragen werden können.
Die Organisation und Austragung eines Weltcuprennens stellt für Hinterstoder eine organisatorische Herausforderung dar, die alle aktiven Kräfte des Ortes mobilisiert. Im Umfeld einer solchen Veranstaltung arbeiten rund 400 bis 500 Personen, die natürlich auch von den Schiclubs der Nachbarorte, speziell aus Windischgarsten und Molln bereitgestellt werden. Die organisatorische Verantwortung tragen sechs Personen als Hauptverantwortliche, 35 Personen als Spartenleiter und eine erklecklich Anzahl von freiwilligen Helfern, die in der Aufbauphase vor dem Rennen und während des Rennens im Einsatz sind.
Was die Schneelage betrifft, kann sich ein Schi-Weltcupveranstalter natürlich nicht mehr auf den winterlichen Schneefall allein verlassen: im so genannten „Pflichtenheft“ der FIS verpflichtet sich der Veranstalter, „...die Grundpräparierung der Schi-Weltcup-Strecken durch ein Beschneiungssystem mit ausreichender Kapazität zu gewährleisten.“ Mit der maschinellen Beschneiung der Pisten wird begonnen, sobald die Temperaturen Ende November tief genug sind: für eine effektive Beschneiung sind -4 bis -10 Grad Celsius optimal. Warmwettereinbrüche, wie sie im Stodertal um die Weihnachtszeit gelegentlich vorkommen, machen dann oft die nächtelangen Vorbereitungen wieder zunichte. Es nimmt auch einige Zeit in Anspruch, je nach den äußeren Bedingungen zwei bis drei Wochen, bis eine Schneedecke von 25 cm erreicht ist. In Hinterstoder benötigt man für eine rennmäßig präparierte Piste – harter bis eisiger Untergrund – 10.000 bis 12.000 m3 Schnee. In Lastwagenfuhren ausgedrückt, wären annähernd 1.000 Fuhren nötig, für die zehn LKWs rund acht Tage lang ohne Unterbrechung Schnee liefern müssten. Diese rennmäßige Präparierung wird auch bereits für das Einfahren und Training vorausgesetzt. Für einen optimalen Pistenzustand zeichnet ein eigenes Team verantwortlich. Die Seilbahngesellschaft übernimmt die Beschneiung und die Präparierung mit den Pistenfahrzeugen. Bei Bedarf wird an kritischen Stellen auch „ Piste getreten“.
Auf der Suche nach Verbesserungen wurde auch ein neues Verfahren entwickelt, mit dem das gefürchtete „Brechen“ der Piste verhindert werden kann. Hierbei werden von einem am Pistenfahrzeug befestigten Balken aus Wasserinjektionen unter die Schneeoberfläche gespritzt, so dass sich mit dem Anfrieren von unten die Schneedecke weiter verfestigt. Um die hohen Qualitätsstandards einhalten zu können, sind den Veranstaltern technische Innovationen dieser Art sehr willkommen. Unverzichtbar sind aber auch die manuellen Arbeitsleistungen, wie von den Einsatztrupps des Bundesheeres und den Helfern, die zur akuten Präparierung während des Rennens mit Schaufel und Rechen bei jedem Tor postiert sind. Ihre Aufgabe ist es auch, umgefallene Torstangen wieder zu verankern und für jeden Läufer annähernd gleiche Bedingungen zu schaffen.
Ein Stab von etwa 70 speziell ausgebildeten Kampfrichtern übernimmt die verantwortungsvolle Kontrolle der Tore. Durch die Fernsehaufzeichnungen gibt es zwar heute selten echte Streitfälle, aber den Kampfrichtern obliegt es, bei unkorrektem Passieren des Tores Disqualifikationen auszusprechen.
Um den wachsenden Sicherheitsstandards zu entsprechen, werden allein zur Absicherung der Strecke und des Zielraumes mehr als 2.500 Meter Absperrung und Sicherheitszäune errichtet. Mögliche Gefahrenstellen müssen optimal abgesichert werden. Sicherheitszäune im Bereich von kritischen Strecken und Sollbruchstellen bei Befestigungsstangen sorgen dafür, dass auch schwere Stürze meist glimpflich ausgehen.
Doch nicht nur die Bereitstellung einer Weltcup-Rennstrecke erfordert einen enormen Aufwand. Auch die technische Infrastruktur für die Presse und das Fernsehen erreicht gewaltige Ausmaße. Telefon- und Faxanschlüsse sind im Zeitalter der mobilen Kommunikation nicht mehr so gefragt, aber die 100 bis 150 Journalisten fordern zur raschen Weitervermittlung von Bild und Text immer die neuesten technischen Systeme. So werden bei der PTA von den Agenturen ISDN-Leitungen bestellt, die zur digitalen Bildübertragung geeignet sind. Die hohe Präzision der Einrichtungen für die Zeitnehmung im Start- und Zielbereich erfordert ein ungeheures Netz an Kabel- und Leitungssystemen, das im Boden verlegt ist. Auch hier wird die technisch beste Übertragungsqualität gefordert. Für die Bildberichterstattung stehen zahlreiche Übertragungswagen sowie Satellitenfunkanlagen im Zielraum bereit, die jene Bilder der unzähligen TV-Kameras entlang der Strecke in alle Welt senden, die vom Rennläufer von den Startvorbereitungen bis hin zum gespannten Warten im Zielraum aufgenommen wurden . Krankameras sorgen für völlig neue Einstellungen und Perspektiven aus bis zu 40 Meter Höhe. Zur Sicherstellung der Stromversorgung errichtet die Energie AG ein spezielles Strom-Aggregat.
Wer darf nun eigentlich bei einem Weltcuprennen starten? Grundsätzlich ist jedes Land berechtigt, einen Starter zu entsenden, der 120 FIS-Punkte aufweisen kann. Jedes Land hat nach einer Quotenregelung unterschiedlich viele Rennteilnehmer, die nach einem ausgeklügelten Punktesystem nach den Platzierungen des abgelaufenen Rennjahres ermittelt werden. Es gibt jedoch verschiedene Kriterien, die zu einer Quotenerhöhung führen können. Zusätzlich sind zum Beispiel auch die drei Erstplatzierten bei Europacuprennen startberechtigt.
Am Renntag selbst ist die Bewältigung des Verkehrs eine wichtige Voraussetzung für den gelungenen Ablauf des Sportevents. Wochen vor dem Rennen werden bereits Parkplätze vom Schnee freigehalten, um die Autos der 12.000 bis 15.000 Besucher parken zu können. Für die Versorgung der Besucher steht ein großes Festzelt mit allen sanitären Einrichtungen im Zielbereich zur Verfügung. Für das leibliche Wohl sorgt ein gastronomisches Großaufgebot.
Um den Schutz der Sportler und um einen reibungslosen Ablauf des gesamten Renngeschehens zu gewährleisten, regeln spezielle Akkreditierungskarten, wer am Renntag welchen Bereich der Strecke betreten darf. Die Zonen speziell im Zielraum sind strikt voneinander getrennt, einerseits um die Menschenmenge in geordnete Bahnen zu lenken, andererseits um die Sportler, die ja zwei Durchgänge fahren müssen, nicht zu stören und vor ihren begeisterten Fans zu schützen.




