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Hinterstoder – altes Siedlungsgebiet in den Bergen

Die Bronzezeit
Das zu dieser Zeit stark bewaldete Gebirgstal um Hinterstoder wurde relativ spät besiedelt. In der Bronzezeit (2500 – 1000 v. Chr.) kam es wahrscheinlich zur erstmaligen Nutzung der Hochweiden. Möglicherweise nützten die Menschen auch schon früher die klimatisch begünstigten flacheren Bergabhänge des Toten Gebirges für erste Versuche einer Art von Almwirtschaft. Die langsam sesshaft werdenden Bauern mussten jeden Vorteil nutzen, den ihnen die noch ungezähmte Natur anbot. Man kann annehmen, dass die Täler in diesen Zeiten noch sumpfig, völlig von Urwäldern überwuchert und unpassierbar waren. So erscheint die Theorie, dass die ersten Siedler sich an den etwas höher gelegenen, mit Humus bedeckten Ausläufern des Warschenecks und des Toten Gebirges ansiedelten, sehr wahrscheinlich. Hier waren die Wälder lichter und die Böden für den noch einfachen Ackerbau geeigneter als im Tal. Das Gelände war leichter überblickbar, und man konnte auch Angriffen von Wölfen und Bären auf weidendes Vieh leichter entgegenwirken. 1903 wurde auf den Schafkögeln am Hutterer Höss in 1.900 m Höhe ein bronzezeitlicher Dolch gefunden, eine 15 cm lange, schmale Klinge aus Bronze mit Mittelrippe und zwei Löchern für die Griffbefestigung. Der Dolch wurde möglicherweise von einem Jäger oder auch einem flüchtenden Soldaten verloren, der abseits der eigentlichen Durchzugsstrecke über den Pyhrn die Pfade über die Stoderer Berge nützte. Damals war man aber auch ständig auf der Suche nach Eisenvorkommen und es könnte auch sein, dass der Dolch anlässlich eines derartigen Erkundungsganges von einem frühen „Mineralogen” verloren wurde.

Die Völkerwanderung, die großen Wanderungsbewegungen nördlicher, östlicher und südlicher Stämme und Volksgruppen, die letztlich den Zerfall des römischen Imperiums in Zentraleuropa zur Folge hatten, brachte wahrscheinlich slawische Stämme bis an die Pyhrn-Priel-Linie. 488 nach Christus wird Oberösterreich von den Römern endgültig aufgegeben.

Die Slawen im Windischgarstener Becken
Die Enge von Klaus bedeutete eine Art natürlicher Grenze zwischen slawischer Siedlungstätigkeit im Süden und bajuwarischer Gebietskontrolle im Norden mit dem Kernpunkt Kremsmünster. Um 600 nach Christus nahmen die Slawen das Pyhrn-Pass-Gebiet in Besitz. Wie sich das Nebeneinander der bajuwarischen und slawischen Siedler gestaltete, kann nur vermutet werden. Es gab einerseits kriegerische Auseinandersetzungen im Oberennstal, andererseits nutzten bajuwarischer Kaufleute den Pass schon im 8. Jahrhundert zu Handelszwecken. Aber sowohl die Hofformen als auch die Namen und die Mundart der ansässigen Bevölkerung weisen das Pyhrn- Priel Gebiet als eine Übergangszone zwischen slawischer und bajuwarischer Siedlungstätigkeit aus.

Für eine rege Siedlungstätigkeit der Slawen im Stodertal gibt es keine unmittelbaren Beweise, aber einige Flurnamen und Gebietsbezeichnungen weisen heute noch auf die Anwesenheit des südlichen Volksstammes hin.
„Der Gebietsname Stoder bleibt etymologisch dunkel: jedoch dürfte die Deutung ‚steiniger Boden, Felsengrund’ zutreffend sein. Die Bezeichnung kommt aus aslow.:stodore, nslow.:sfudor. Der typisierende slowenische Name besagt, dass die Slawen entweder durch die Holzwirtschaft oder – was viel wahrscheinlicher ist – durch die Almwirtschaft den Stoder gekannt haben.“ (Krawarik, Mitteilungen des Oö. Landesarchivs, Bd. 9, 1968, S 168)

Gemeint ist das Gebiet, das von der Priel- und der Warscheneckgruppe eingeschlossen ist. Die Herkunft der slawischen Namen und Bezeichnungen ist nicht immer eindeutig zu klären und basiert sehr oft auf Vermutungen.

Die Bajuwaren
Ab dem 8. Jahrhundert wird der zunehmende bairische Einfluss immer massiver. Erst mit dieser Besiedelung wurden die bewaldeten Niederungen im Stodertal gerodet und das Gebiet für den Ackerbau nutzbar gemacht. Die verschiedenen „Reiten” weisen heute noch auf diese erste Rodungstätigkeit hin: Baumschlagerreit, Herzogreit, Schafferreit, Bärenreit, Jaidhauserreit, Steyrsbergerreit, …
Im 12. Jahrhundert war die Rodungstätigkeit im Stoderer Gebiet im Wesentlichen abgeschlossen. Über Jahrhunderte hatten die Bauern im weiteren unter der Willkürherrschaft und den hohen Abgabenforderungen der Obrigkeit sehr zu leiden, wie auch der Jagdstreit in der ersten urkundlichen Erwähnung des Gebietes „circa montes, qui dicuntur Stader” beweist, einem Briefkonzept aus dem Jahr 1242, das im Stift Kremsmünster aufbewahrt wird.

In die Zeit Josefs II fallen die Anfänge einer Entwicklung zu einem Gemeinwesen. Vom Stift Spital 1774 eingesetzt, wirkte Adam Langeder als erster Lehrer in Hinterstoder. Er war vorher Stiftsschneider in Spital. 1778 wurde die Notschule zur Pfarrschule erhoben.

Im Jahre 1783, als Georg Hammer Pfarrer und Matthäus Lichtenauer Kooperator von Vorderstoder waren, fasste das Collegialstift Spital, dessen Propst damals Josef Grundtner war, den Entschluss, im „inner Stoder“ eine selbstständige Pfarre zu errichten. Dieser Entschluss wurde, wie die noch vorhandene Kopie der Errichtungsurkunde ausdrücklich angibt, nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Antrieb Kaiser Josef II. gefasst. Hierzu dienten diverse Stiftungen, insbesondere wurde vom Stift Spital das „Gütl am Kleinbruderhof“ (jetzt Pfarrhof) für den zukünftigen Pfarrer angekauft und dessen Erträgnisse ihm zugewiesen. 1783 wurde mit dem Bau der Kirche, einer spätbarocken Saalkirche mit Turmhaube, begonnen und in zwei Jahren fertig gestellt. Es arbeiteten 18 Maurer, ein Malterrührer und 17 Zimmerleute. Die Benediktion erfolgte am „16. Herbstmonde des Jahres 1787“ Sonntag nach Kreuzerhöhung, deshalb auch „Heilige Kreuzkirche“ genannt.

Über Delegation des Bischofs von Linz erfolgte die feierliche Segnung durch Propst Josef Grundtner von Spital. Die kirchlichen Einrichtungsgegenstände sind hauptsächlich vom Stift Spital beigestellt worden. Mit Dekret vom 20. Oktober 1787 ernannte der Bischof von Linz, Graf Herberstein, den Kooperator von Vorderstoder, Matthäus Lichtenauer, zum Pfarrer von Inner- (Hinter-)stoder, der später der letzte Propst von Spital wurde. Von diesem Tag an hatte Hinterstoder seinen eigenen Pfarrer und war seelsorgerisch ganz unabhängig und selbstständig. 1787 entstand auch das neue Schulgebäude (neben der Kirche).

Aus der Zeit der napoleonischen Kriege wird berichtet, dass Pfarrer Franz Xaver Gesser (1807 bis 1810) bei der Anwesenheit feindlicher Truppen durch kluges Benehmen und gute Bewirtung der Offiziere vieles Üble von der Gemeinde abgewendet und die Bewohner über die ihnen „abgerungenen beschwerlichen Opfer“ aufgemuntert und dadurch gute Ordnung bewirkt habe. Pfarrer Gesser, der aus Biberach im Schwabenland stammte, sprach französisch und war sehr gebildet, da er in Wien und Graz Kirchenrecht, Kirchengeschichte und Altertumskunde studiert hatte. Ebenso wird von „Sachsen“, die in Hinterstoder im Quartier lagen, berichtet, die von der Bevölkerung große Opfer abverlangten, plünderten und damit die herrschende Not noch vermehrten.

Am 6. November 1817 erhielten die Gemeinden Hinterstoder und Vorderstoder das Recht zur alljährlichen Abhaltung eines Hornviehmarktes am 10. Oktober in Hinterstoder. Es ist dies die älteste noch erhaltene Pergamenturkunde, die von Kaiser Franz I. persönlich gezeichnet wurde. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Grundherrschaft zu Ende ging und die freie Ortsgemeinde „Innerstoder“ in den Grenzen der Josefinischen Katastralgemeinde entstand, entwickelte sich ein Eigenleben, das die Aufwärtsentwicklung einleitete.

Mit der touristischen Entdeckung der Landschaft zur Mitte des 19. Jahrhunderts durch vornehmlich städtisches Publikum begannen sich die Dinge langsam zu wandeln.

Jagdgäste als erste Touristen in Hinterstoder
Die Jagd war und ist ebenso wie der Forst ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in den Stoderer Gebirgswäldern. Gegensätzlich zu den bestehenden bäuerlichen Wirtschaftswäldern, haben sich begüterte Aristokraten große Waldungen vornehmlich zum Zwecke der Jagd angeschafft. Die hier lebenden Kleinbauern mussten in ihrer wirtschaftlichen Not, die sich auch nach der Grundentlastung von 1848 nicht verbesserte, zwar ihre Besitzungen, vor allem die Almen verkaufen, andererseits sicherten ihnen die adeligen Jagdgesellschaften durch bezahlte Tätigkeiten ein zusätzliches Einkommen. Jagdveranstaltungen des Herzogs von Württemberg und des Fürsten von Eulenburg mit bis zu siebzig Treibern gehörten für die Stoderer Bevölkerung zu den gesellschaftlichen Ereignissen des Jahres. Zur Betreuung dieser Besitzungen und der herrschaftlichen Jagdhäuser wurden auch viele Einheimische als Förster, Jäger, Verwaltungsbeamte und Dienstleute angestellt. Wenn man auch Jagdgäste nicht unmittelbar als Touristen bezeichnen kann, so forderten doch diese vornehmen Herrschaften und deren Angehörige einen gehobenen Umgangsstil und einen Unterbringungsstandard, der eine Herausforderung für die Gastkultur der heimischen Gasthäuser darstellte. Die Wirte stellten sich sehr schnell auf die gehobenen Ansprüche dieser ersten Gäste ein, und sowohl im „Jaidhaus” (Jaid = Jagd) wie auch im „Schmalzerhof“ konnte man das Ambiente bieten, das ein Graf Camillo Starhemberg, Graf Dürkheim-Montmartin oder ein Baron Pereira mit seinem Gefolge erwartete.

Die „Sommerfrische” eine Folge der Erschließung der Bergwelt im 19. Jahrhundert In unserem nicht gerade fruchtbaren und durch die langen Winter benachteiligten Gebirgstal, mit seinen über Jahrhunderte autark lebenden Bauern war es nicht leicht, sich zu einem der führenden Tourismusorte Oberösterreichs zu entwickeln. Wer sich von den Einheimischen zum Tourismus bekannte, hatte eine Doppelbelastung mit Haus, Hof, Vieh und Jagd einerseits und der Betreuung der Gäste andererseits auf sich zu nehmen. Da das Leben in den Städten des späten 19. Jahrhunderts nicht besonders angenehm war, entsprach die Sehnsucht der Städter „aufs Land” zu fahren dem damaligen Zeitgeist. Es war modern in den heißen Sommermonaten, wenn es in den stickigen Städten unerträglich wurde, eine „Sommerfrische” anzutreten. Für den Hochadel waren das benachbarte Salzkammergut, aber auch Semmering und Rax begehrte Ziele; diesem Trend folgend gewannen die Berge aller Länder eine große Anziehungskraft. Die Eintragungen in den Gästebüchern des vorigen Jahrhunderts, das älteste stammt aus dem „Schmalzerhof’ von 1858, geben Aufschluss über die sportlichen Aktivitäten dieser ersten Gäste, die dem Trend der späten Romantik folgend, aus den unwohnlich gewordenen Städten die „Sommerfrische” am Lande antraten. Wenn auch die Reise zu diesen ländlichen Zielen allgemein noch sehr umständlich war, so versuchte man doch in Hinterstoder über Zeitungsartikel und Feuilletons die Erreichbarkeit dieses Erholungsortes als sehr einfach darzustellen: „Morgens sieben Uhr ab Wien fahren Sie über Linz oder Wels nach Klaus, dem Endpunkte der Kremstalbahn, wo Sie in den ersten Nachmittagsstunden eintreffen. Wenn die Pyhrnbahn erbaut sein wird, können Sie noch über Klaus hinaus bis Steyrbruck mit der Eisenbahn fahren, vorderhand aber müssen Sie allerdings zu Fuß oder mit der Post dorthin zu gelangen trachten; es ist übrigens nur eineinhalb Stunden zu gehen. Von Steyrbruck, an der alten Wels – Steiermärker Reichsstraße gelegen wandern Sie zirka eine Stunde aufwärts der Steyr entlang. Wenn Sie nach zwei Stunden das eigentliche Stodertal und den Eingangs liegenden Ort Hinterstoder erreicht haben, … werden Sie begeistert sein von der Herrlichkeit einer unverfälscht schönen Natur.“ (Schachinger)

Pioniere für den Fremdenverkehr

Georg Julius Schachinger
Zur Jahrhundertwende gab es ernsthafte Bestrebungen sich im Fremdenverkehr einen Namen zu schaffen. Besonders Georg Julius Schachinger, der seine Pension „Prielkreuz” nach dem Vorbild der damals modernen Schweizer Kurhotels erbaute, erkannte mit bewundernswertem Weitblick, welche Bedürfnisse ein städtischer Gast dieser Zeit hatte. Er fotografierte, ließ Postkarten und Prospekte herstellen, schrieb unzählige Artikel und beherbergte einige große Persönlichkeiten: Der berühmte Alpenmaler Edward Theodore Compton machte zur Jahrhundertwende einige Male Urlaub im Hause Schachinger und es entstanden hier ungefähr zwei Dutzend Werke, gemalt im Stile des ihm eigenen alpinistischen Realismus, die Themen aus dem Ort, das umliegende Gebiet und vor allem die Bergwelt des Toten Gebirges zum Inhalt haben.

Oberlehrer Josef Angerhofer
Mit der Herausgabe eines regionalen Wanderführers und der Beschreibung von Land und Leuten bemühte sich zur selben Zeit auch der Oberlehrer Angerhofer den Fremdenverkehr „anzukurbeln”. Er gründete 1906 den Verschönerungsverein aus dem sich später der Tourismusverband entwickelte. In seinen 40 aktiven Jahren und noch in seiner Pension erwarb sich Angerhofer große Verdienste um das Stodertal. Er war nicht nur Lehrer sondern auch Kapellmeister der Blasmusikkapelle, Organist, Komponist, Dichter. Er verfasste Theaterstücke für Kinder, war Mitglied des Gemeindeausschusses und des Schulausschusses. Zum 60 jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers verfasste er 1908 ein Festspiel „Auf dem Grauen Steine”, das weit über Oberösterreich hinaus Interesse erregte. Die Entwicklung des Fremdenverkehrs war Angerhofer wie seinem Freund Schachinger besonders wichtig. Er markierte Wege und Steige, ließ Rastbänke aufstellen, fotografierte ausgezeichnet, gab 1891 die ersten Touristeninformationen „Hinterstoder und das Stodertal” und die „Prielkreuzblätter” heraus und fand auch noch Zeit für Wetterbeobachtungen.

Die Bergwelt begann zu faszinieren
Bis dahin hatte die Bergwelt als unwegsames, ungastliches Gebiet gegolten, das ein kultivierter Mensch eher zu meiden hatte. Die Begeisterung der vornehmen Engländer für die Alpen machte das „in die Berge Gehen” erst hoffähig. Aber auch wissenschaftliches Interesse von Geologen, Mineralogen, Botanikern und Vermessungstechnikern weckte allgemein die Neugierde für das noch unerforschte Gebirgsland. Abenteuerlust und sportlicher Pioniergeist, die zur Eroberung der Gebirgslandschaft, der Gipfel, Grate und Wände führten, waren dann in diesem Jahrhundert nicht mehr aufzuhalten. Obwohl die Wirtsleute in „Jaidhaus”, „Schmalzerhof“, „Zur Post” und im „Dietlgut” auch noch ihr bäuerliches Anwesen zu betreuen und forstliche Aufgaben zu erfüllen hatten, wurde die wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs immer klarer.

Die Almen als Stützpunkt für die Bergwanderer
Nicht nur die Einrichtungen im Tal, auch die Erschließung der höheren Regionen musste für die „Fremden” vorangetrieben werden. Die Wege in die Almregionen, die von den Bauern zum Auftrieb für das Vieh angelegt wurden, waren vorerst auch die ersten Wandersteige ins Gebirge. Die felsigen Regionen wurden höchstens noch von Jägern aufgesucht, die für die Hochwildjagd schmale Jagdsteige bauten. Die Almen, für das Vieh der Bauern unentbehrliche Sommerweiden, entwickelten sich zunehmend zu Stützpunkten für die Bergsteiger, die in höhere Regionen aufbrachen und im Gebirge unterwegs waren. So war die obere Polsteralm ein notwendiges Refugium auf dem Weg zum Großen Priel, bevor es noch das Prielschutzhaus gab. Huttereralm, Schrenkenzieheralm, Fröstlalm und Polsteralm boten sich als einfache, aber wertvolle Unterkünfte in der sonst unbewohnten Almregion an.

Ausbau der alpinen Unterkünfte
In den Zonen über der Waldgrenze gab es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in unserem Gebiet keine speziellen Unterkünfte für Bergsteiger. Mit der zunehmenden „Wanderlust” etwa ab 1860, wurde auch ein Ausbau der alpinen Unterkünfte in diesen Regionen notwendig. Um hier nur ein Beispiel zu nennen:

Ausbau des Priel Schutzhauses Eine Besteigung des „Großen Priel”, als dem höchsten Berg von Oberösterreich, wurde für immer mehr Menschen zu einem reizvollen Unternehmen. Als die ÖTK- Sektion Linz 1903 das „Karl Krahl-Haus” erwarb, war es für den ansteigenden Besucherstrom schon zu klein geworden. Man entschloss sich zu einem Ausbau und vergrößerte den Steinbau, der 1906 bei der Eröffnung 120 Nächtigungsplätze bot. Durch den Ausbau der Kremstalbahn von Klaus nach Selzthal (1906) wurde die Erreichbarkeit des Stodertals wesentlich erleichtert und man konnte mit ansteigenden Besucherzahlen rechnen. In den nächsten Jahren bemühte man sich um den „Komfort” des Schutzhauses. Das alte Massenquartier im Dachgeschoß wurde 1956 in kleinere Schlafräume umgebaut. Das Transportproblem, das bis dahin mit Hilfe der Mulis bewältigt wurde, vereinfachte sich durch den Bau der Materialseilbahn. Nach anfänglich großen technischen Schwierigkeiten konnte diese 1966 in Betrieb genommen werden. Mit der Errichtung der Alu Wasserzisterne1968 verbesserte sich das Angebot für Gäste und Hüttenwirte. Damals setzte man bereits Hubschrauber des Bundesheeres zum Transport ein. Mit Hubschraubereinsatz konnte im Weiteren auch der Ausbau der Hütte ab 1970 bewerkstelligt werden. Einschließlich einer umfangreichen Elektroinstallation wurde das neue „Priel Schutzhaus” 1975 seiner Bestimmung übergeben. 1976 installierte man eine leistungsfähige Stromversorgungsanlage und ein Funktelefon. Aus Gründen des Umweltschutzes wurde 1992 mit dem Bau einer biologischen Pflanzenkläranlage mit Rezirkulierung begonnen und 1994 fertig gestellt. Heute bietet das Prielschutzhaus eine moderne Trinkwasserversorgung, gute sanitäre Einrichtungen und insgesamt Unterkunft für mindestens 180 Personen davon 52 in Betten. Man erreicht diesen Stützpunkt für alpine Touren auf gut markiertem Weg in zwei bis drei Stunden. Das Schutzhaus mit einem prachtvollen Ausblick über der Waldgrenze gelegen, ist von April bis Oktober bewirtschaftet.

1874 erhielt Hinterstoder ein Postamt, 1894 eine Telegrafenverbindung mit Windischgarsten und 1909 eine Telefonverbindung.

1890 nahm der Fremdenverkehr seinen Anfang (erste Aufzeichnung über Fremdennächtigungen.) 1897 erhielt die Gemeinde einen Gendarmerieposten.

Um die Jahrhundertwende begann der etappenweise Ausbau der Stodertal-Straße von der Pyhrnpass-Straße in der Steyrbruck aus. Der erste Arzt, der in der Gemeinde seine Praxis ausübte, war Dr. Adolf Hauser 1897. Vorher hatten die ärztlichen Betreuer in Vorderstoder ihren Sitz.

1905 gründete man die Freiwillige Feuerwehr. 1906 wurde der letzte Teilabschnitt der Pyhrn-Bahn fertig gestellt und der Bahnverkehr eröffnet. Die außerhalb des Gemeindegebietes gelegene Bahnstation hieß ursprünglich Dirnbach-Stoder und wurde erst später auf Ansuchen in Hinterstoder umbenannt.

1906 gründete man einen Verein zur Verschönerung des Ortes. 1910 begann der Schilauf. Abgesehen von nur wenigen Schifahrern war dieser bis dahin für die einheimischen Jäger und Förster zweckdienlich. Erstes Preis-Schifahren von der Schrenkenzieher-Alm bis zum Gemeindehaus am 10. Dezember1912.

Mit der grundlegenden Neugestaltung der Stodertalstraße ist das Tal erst richtig erschlossen worden. Die Errichtung der Postkraftwagenlinie Hinterstoder Ort-Hinterstoder Bahnhof fällt in das Jahr 1924.

Die Elektrifizierung begann mit dem Bau eines kleinen E-Werkes am Plaisbach auf genossenschaftlicher Basis in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg. Erst mit dem Bau einer 25 KV-Anschlussleitung an das Überlandnetz der Firma Hofmann war die Stromversorgung sichergestellt.

Der 2. Weltkrieg brachte für Hinterstoder eine Flut von Umquartierten und Ausgebombten. Die Einwohnerzahl erhöhte sich auf mehr als das Doppelte. Es herrschte große Not.

Der US-Hochkomissar für Österreich, General Mark W. Clark, erwählte Hinterstoder zu seinem Feriendomizil. Auch der alliierte Oberbefehlshaber und spätere US-Präsident General Eisenhower war hier mehrmals zu Gast. General Clark vollzog 1950 den Spatenstich beim Bau der vierklassigen Volksschule und hatte eine Spende des Kardinals Spellmann vermittelt, welche die Anschaffung neuer Kirchenglocken ermöglichte.

1957 erfolgte der Bau der Ortswasserleitung, 1964 der Wasserleitungs- und Abwasseranlagenbau auf den Hutterer Böden. Die Errichtung einer Seilbahn 1959 (Doppelsessellift) in zwei Teilstrecken zum Hössgebiet trug sehr wesentlich zur Schaffung einer zweiten Tourismussaison (Winter) bei.

Im Jahr 1967 erhielt die Gemeinde das Recht zur Führung eines Gemeindewappens. „Über drei silbernen, vom Schildfuß aufsteigenden Spitzen, deren mittlerer höher ist als die beiden anderen, in blau ein goldener gestürzter Halbmond, besteckt mit einem goldenen Tatzenkreuz“. Mit gleichem Beschluss wurden die Gemeindefarben „Gelb-Blau“ genehmigt.

1969 wurde auch das Schigebiet Bärenalm erschlossen. Im Jahr 1986 fand in Hinterstoder das 1. Schiweltcuprennen, ein Herren-Slalom statt.

1993 wurde die Kläranlage im Poppenberg, die erste Kavernenkläranlage Mitteleuropas, in Betrieb genommen. An das Kanalnetz sind die Häuser im Ortszentrum sowie in Ortsnähe und auch das Schigebiet Höss angeschlossen. An der Erschließung der Randgebiete wird in den darauf folgenden Jahren weiter gearbeitet.

1994 schloss sich Hinterstoder der Aktion „Dorferneuerung“ des Landes Oberösterreich an und wurde Dorferneuerungsgemeinde.

Im Zuge der Dorferneuerung änderte sich das Ortsbild sehr zum Positiven. Bauliche Veränderungen wurden an der Ortsdurchfahrt, der Straßenraumgestaltung, aber auch an den Fassaden der Häuser vorgenommen. 1998 wurde Hinterstoder ebenfalls in die europäische ARGE für Landentwicklung und Dorferneuerung aufgenommen und 2000 mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis“ ausgezeichnet. Im Zuge der Sanierung des Amtshauses wurde 1998 das Ausstellungshaus Alpineum errichtet und im Rahmen der Landesausstellung 1998 „Land der Hämmer - Heimat Eisenwurzen“ eröffnet. Allein im ersten Jahr des Ausstellungshauses konnten 18.000 Besucher verzeichnet werden. Im Jahr 2000 wurde das Alpineum Hinterstoder für den „Museum of the Year Award“ nominiert und mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet.

2002 konnte mit der Hösshalle Hinterstoder eines der modernsten Veranstaltungs- und Tagungszentren des Landes eröffnet werden.

2005 setzt die Inbetriebnahme der Hannes-Trinkl-Weltcupstrecke den vorläufigen Endpunkt unter ein gewaltiges Ausbau- und Modernisierungsprogramm des Schigebietes Hinterstoder Höss.


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