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Stodertalfreunde Blog

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Aktualisiert: vor 6 Stunden 43 Minuten

Die "Schwamel-Soss" aus dem Kochbuch der Pfarrerköchin von Windischgarsten aus dem Jahre 1864

Fr, 09/14/2018 - 10:45

Vor 24 Jahren feierte Windischgarsten den 550igsten Geburtstag. Zu diesem Anlass brachte Jörg Strohmann und der Heimatverein einen Kalender mit alten Ortsansichten und alten Kochrezepten heraus.Die Pfarrerköchin Juli Ackerl hat im Jahr 1864 ihre ganz persönlichen Kochrezepte in ihrer Mundart aufgeschrieben. Das Fingerspitzengefühl soll dabei die Mengenangaben ersetzen. Es sollte beim Nachkochen durch mehrfaches Kosten und Nachbessern selbst herausgefunden werden. Nachstehend zur Schwammerlzeit ein Rezept der Pfarrerköchin.







Kinder helfen am Bauernhof in den 1930er Jahren

Fr, 09/07/2018 - 17:22
Ein Schulmädchen erzählt: "In den Ferien wachten meine Geschwister und ich erst auf als wir Vaters Denglhammer (Hammer zum Schärfen der Sense) hörten. Wir warteten dann noch ein bisschen bis Mutter uns zum Aufstehen rief.
Taten, so nannten wir unseren Vater, begann schon um fünf Uhr früh zu mähen, denn das Gras musste vom Tau noch nass sein. Um seine Hüften war der Kumpf gebunden, in dem der Wetzstein zum Schärfen der Sense steckte.Beim Wetzen (Schärfen) hat er immer den Daumen nach unten gehalten, damit er sich nicht in die Finger schnitt.Das Mähen auf den buckligen Abhängen war sicher nicht leicht. Für die Steilhänge hatten wir einen Rechen mit überlangem Stiel. Die Zähne des Rechens waren aus dem glatten Holz der Berberitzen gemacht.Das Heu wurde auf der Wiese in Streifen zum endgültigen Trocknen ausgebreitet.In der Mittagszeit mussten wir das Heu wenden und in zwei Zeilen zusammenrechen. Wie Eisenbahnschienen dachte ich immer. Nach einiger Zeit musste man das Heu umkehren und wenden. Am späten Nachmittag, wenn das Heu trocken war, wurde es in Tragtücher gebunden und am Kopf in die Scheune getragen.Die Heutücher bestanden aus Sackleinen oder aus Segeltuchplanen. An den Ecken der Tücher waren Eisenringe angenäht, an denen ein Band befestigt war das durch die Ringe gezogen wurde und am anderen Ende zugebunden wurde. Dann wurde das Heu auf die Tücher geschaufelt und zusammengebunden. Das Tragtuch wurde entweder auf dem Rücken, den Schultern oder auf dem Kopf nach Hause getragen. Dabei konnte man leicht das Gleichgewicht verlieren. Man musste das Heu über eine Außenstiege ohne Geländer in den Heustadel tragen. Was das für eine schwere Arbeit war kann sich niemand vorstellen. Ich musste mit dieser Last ca.180 m gehen und wackelte dann die Außenstiege hinauf. Ich ging wie ein Kalb, das die ersten Gehversuche macht und konnte jede Sekunde das Gleichgewicht verlieren.Wir hatten keine Ochsen und einer Kuh das Heuziehen beizubringen ist nicht so einfach. Jede Kuh eignet sich nicht dazu. Wenn man eine Kuh zum Heuziehen einspannt gibt sie kaum noch Milch".






Erste Wildbachfahrt auf der oberen Steyr

Fr, 08/31/2018 - 10:42
Zum Wildwasserpaddeln kommen jedes Jahr immer mehr begeisterte Sportler an das Ufer der Steyr. Es gehört schon viel Mut dazu die zahlreichen Stromschnellen und Hindernisse im reißenden Fluss blitzschnell zu erkennen und gefährlichen Strömungen auszuweichen.Die "Tages-Post" berichtet, dass 1931 zum ersten Mal deutschen Studenten das Befahren des Oberlaufs der Steyr mit Kajaks gelungen ist. 






















Wildwasserpaddeln in den 1960er Jahren





Veranstaltungen in Hinterstoder

Di, 08/28/2018 - 16:32
Julia Körber von der Gemeinde Hinterstoder informiert





Erinnerung an die "Kaiserlinde" bei der ehemaligen "Pension Prielkreuz".

Fr, 08/24/2018 - 18:55

1879 wurde die Linde am Kirchenplatz zum Gedenken an die Silberne Hochzeit von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth gepflanzt.2018 musste der Baum umgeschnitten werden, weil ein Sturm von der alten Linde Äste abbrach und der teilweise hohle Stamm zu brechen drohte. Um nicht  Menschen, Tiere oder Autos zu gefährden musste der Baum gefällt werden. Viele Einheimische und Gäste fühlten Wehmut über den Verlust des alten Baumes, der beim sonntäglichen Kirchgang Schatten spendete und der sie einfach durch das ganze Leben begleitete.Um die Erinnerung aufrecht zu erhalten hatte Karl-Heinz Huber, der Inhaber der ehemaligen traditionsreichen "Pension Prielkreuz" die Idee, eine Gedenkstätte für die alte Kaiserlinde zu errichten. Vor dem Haus "Prielkeuz", dort wo früher viele Prominente Persönlichkeiten, wie der Bergsteiger und Maler Edward Theodore Compton, der Sänger und Schauspieler Peter Alexander oder der österreichische  "Witzepräsident" Maxi Böhm ihre Ferien verbrachten, steht ein markanter Teil des Stammes zum Gedenken und ein Ast dient im Teich den Fischen als Unterkunft.Die Nachricht vom Fällen der "Kaiserlinde" drang bis nach Kalifornien, wo der Sohn des ehemaligen Gemeindearztes von Hinterstoder, Dr. Gösta Iwasiuk, zur Erinnerung eine Ode an die alte Linde verfasste. 



"Pension Prielkreuz" Gemälde von  Compton um 1900




    

"Sheherazade darf nicht sterben"

Fr, 08/17/2018 - 14:16
Sheherazade, eine persische Geschichte aus Tausendundeiner Nacht, war das Thema des Puppenspiels, das Monika und Kurt Aufner ihren zahlreichen Gästen im  "KUNST-SchAU-STALL" Prielergut gestern präsentierten.Sheherazade war die Tochter des Wesirs des Königs Schahrayar, der von seiner Frau mit einem schwarzen Sklaven betrogen wurde. Der König war davon überzeugt, dass es keine treue Frau auf Erden gibt, deshalb fasste er den Entschluss, sich nie wieder von einer Frau betrügen zu lassen. Er heiratete deshalb jeden Tag eine neue Frau und ließ sie am nächsten Tag töten.Um diesem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten, lässt  Sheherazade sich selbst von ihrem Vater dem König zur Frau geben. In der Nacht beginnt sie dem König eine Geschichte zu erzählen, deren Handlung am nächsten Tag abbricht. Neugierig auf das Ende der Geschichte lässt der König sie am Leben. Unterstützt wird  Sheherazade dabei von ihrer Schwester Dinharazade, die sie für jede Nacht um eine neue Geschichte bittet.Dieses Spiel geht 1001 Nächte lang. In dieser Zeit bringt  Sheherazade drei Kinder zur Welt. Am Ende ist König Schahrayar von der Treue seiner Frau überzeugt und von ihrer Klugheit so beeindruckt, dass er sie am Leben lässt.
Die vielen Zuschauer verfolgten die Geschichte mit großem Interesse. Am Ende empfanden viele Gäste aber auch Wehmut, denn diese Veranstaltung war die Letzte im "KUNST-SchAU-STALL" im Prielergut. Die Familie Aufner wird im Herbst nach Eisenstadt übersiedeln.  
Seit dem Jahr 2000 organisierten und gestalteten Monika und Kurt Aufner 105 Veranstaltungen im "KUNST-SchAU-STALL" Prielergut und gewannen in dieser Zeit eine große, treue Anhängerschaft, die sie sehr vermissen wird. Auch Bürgermeister Helmut Wallner bedankte sich bei der Familie Aufner für die vielen kulturellen Aktivitäten und ihr Engagement.










                                  Fotos: Rainer Remsing, Traude Schachner

Mariä Himmelfahrt - Festgottesdienst mit Kräuterweihe - Gedenkmesse

Mi, 08/15/2018 - 19:20

Messe zum Gedenken an S.K.H. Friedrich Herzog von Württemberg, der am 9. Mai 2018 bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.










Zu Mariä Himmelfahrt gab es in Hinterstoder auch eine                                                                     Traktorhimmelfahrt zu besichtigen


                                                                 Fotos: Margit Wright 

Die Kronenzeitung berichtet am 15.8.1933 von einem Mord in der Vogelgesangklamm

Fr, 08/10/2018 - 11:40
In Zeitungen wird heute genauso wie früher, viel ausführlicher über Gräueltaten als über gute, positive Ereignisse berichtet. Deshalb sind leider schreckliche Dinge besser dokumentiert als gute  Geschichten. So auch dieses Verbrechen.


Die Kronenzeitung berichtet am 15. August 1933 von einem sensationellen Kriminalfall in Spital am Pyhrn:
"Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird in den nächsten Tagen ein entsetzliches Verbrechen aufgeklärt und gesühnt werden können, das 1916 also vor siebzehn Jahren begangen wurde.Ein armer Schwachsinniger, der noch dazu vor der Tat betrunken gemacht wurde, ist das Opfer.Die Täter befinden sich in Haft, es fehlt nur noch ein "Kleines" um sie vollends zu überführen. Einer von ihnen - zumindest ist er Mitwisser und Mitschuldiger - war der Dienstgeber des Opfers. Und das Motiv lag in einer Polizze. Es handelt sich um einen Versicherungsmord. Tausend Kronen waren der Betrag, um dessen Willen hier ein Menschenleben vernichtet wurde. Die Mörder aber haben ihre Beute nie bekommen.                                                  Der Tote in der KlammIn der Vorkriegszeit wurden auf dem Moltersberg bei Spital am Pyhrn, der zur Klamm abfällt, große Flächen Wald geschlägert. Mittels einer Riese wurden die Bäume zu Tal befördert, mancher Stamm fiel heraus und landete in der Klamm.Der Arbeiter Peter Schwingenschuh lebte seit Jahren von diesen Stämmen, die er herausfischte. Er ist übrigens vor kurzem gestorben und kann also jetzt keine Aussage mehr machen, was in der sensationellen Kriminalaffäre noch von großer Bedeutung wurde. Kurz vor seinem Tod machte Schwingenschuh einen grausigen Fund.An einer fast unzugänglichen Stelle, wo die Felsen steil und spitz gegen den Himmel ragen, entdeckte er ein menschliches Skelett. Weiß bleichten die Knochen in der Sonne.                                                    Durch einen Schuh agnosziert.Schwingenschuh machte die Anzeige. Gendarmen kamen, besahen sich den grausigen Fund und suchten weiter. Sie fanden mehr als der Arbeiter. Unweit der Stelle an der das Skelett entdeckt worden war, lag ein alter Schuh. Man sah ihm an, dass er lange Zeit dagelegen haben mochte. Doch als man ihn näher untersuchte und die Einwohner der Umgebung zusammenrief, um ihn zu besehen, da stellte sich bald eine sensationelle Tatsache heraus: Der Schuh hatte unzweifelhaft einmal dem schwachsinnigen Knecht Josef Haidhauser gehört.Haidhauser war im Jahre 1916, als er 32 Jahre zählte, spurlos verschwunden.Die Gendarmerie vermutete nun, dass der Knecht bei einem Weg, den er für seinen Dienstgeber machte, in ein Unwetter geraten sei, dabei den schmalen Saumpfad verfehlt habe und abstürzte. An ein Verbrechen dachte zunächst kein Mensch. Wer sollte auch einem Schwachsinnigen etwas zuleide tun? Und Geld und Gut war bei dem armen Knecht sicherlich nicht zu holen.                                                       Mordgeständnis im RauschDa kam die sensationelle Wendung: Der 70 jährige Korbflechter Josef Harbacher aus Spital am Pyhrn trank bei einem Bauern einige Gläser Most. Dieser Most machte ihn sehr gesprächig und auf einmal begann er seltsame Reden zu führen, die den Bauern aufhorchen ließen. "I hab schon an umbracht!" prahlte der Korbflechter. "I kann s´ ruhig sagen. Mir kann ja jetzt nix mehr geschehen, es ist schon viel zu lang her!"Einen Tag später musste Harbacher sehen, dass es noch lange nicht zu spät war, um ein Verbrechen zu sühnen. Da saß er bereits in Haft.Zunächst gestand er, im Jahre 1916 in der Vogelgesangklamm einen Mord begangen zu haben. Auch bei Gericht gab er vorerst sein Verbrechen zu, später aber verlegte er sich plötzlich aufs Leugnen.In den Verhören versuchte es Harbacher jetzt mit folgender Geschichte: Damals im Sechzehnerjahr sei ein Wanderbursche zu ihm gekommen der nur gebrochen Deutsch sprach und habe ein Glas Milch verlangt. Harbacher habe es ihm gereicht und während dessen sei der Fremde mit des Korbflechters zufällig anwesendem Freund  Johann Brendtner und mit ihm selbst in einen Wortwechsel gekommen, der in eine Rauferei ausartete. Schließlich sei ihm der Wanderbursche an die Gurgel gesprungen. Um dem Freund zu helfen habe Brendtner ein Korbflechtermesser ergriffen und damit in Notwehr den Fremden erstochen. Sie hätten dann die Leiche ausbluten lassen und in die Klamm geworfen. Harbacher der sich zunächst in Windischgarsten befunden hatte, kam jetzt nach Steyr in das Gefängnis des dortigen Gerichtes. Von dort richtete er zwei "G`sieberl" (geheime geschmuggelte Botschaften) an die Aussenwelt. Der eine der Schmuggelbriefe war an Brendtner gerichtet, der andere an einen gewissen Mittermayer, dem damaligen Dienstgeber des verschwundenen Knechtes Haidhauser. Die Schmuggelbriefe aber, die übrigens den gleichen Inhalt hatten, enthielten die Aufforderung Zeugen zu suchen und zwar im beiderseitigem Interesse. Sonst würden auch sie verhaftet werden.                                                            Tod um 1000 KronenDie G´sieberln wurden erwischt. Die Folge war, dass auch die Adressaten in Haft genommen wurden. Die drei leugneten unentwegt weiter, dennoch aber sind die Behörden überzeugt, sie in den nächsten Tagen völlig ihres entsetzlichen Verbrechens überführen zu können.Die von Harbacher aufgetischte Geschichte ist natürlich völlig unglaubwürdig. Außerdem kann sich niemand erinnern im Jahr 1916 einen fremden Wanderburschen in der Gegend gesehen zu haben. Nach den behördlichen Erhebungen, die  - wie man hofft - in kürzester Zeit auch zu einem Geständnis der Verhafteten führen werden, liegt vielmehr folgender Tatbestand vor:Nachdem der schwachsinnige Haidhauser bei seinem Dienstgeber betrunken gemacht worden war, wurde er um neuen Most geschickt.Auf dem Heimweg wurde der Knecht dann entweder von Harbacher allein oder aber zusammen mit Brendtner und Mittermayer überfallen, getötet und in den Abgrund geworfen. Und das Motiv: Mittermayer, der Dienstgeber des Schwachsinnigen und zweifellos der Anstifter des Verbrechens, hatte kurz vorher eine Versicherung auf das Leben seines Knechtes über 1000 Kronen abgeschlossen.Er suchte auch bald nach dessen Verschwinden das Geld einzukassieren, wurde aber vorerst abgewiesen, weil er noch keine Todeserklärung beibringen konnte. In der Inflationszeit, als die Polizze, um derentwillen das Verbrechen begangen worden war, wertlos zu werden drohte, hat er das Papier dann bei Gericht deponiert, wo es sich noch heute befindet und ein wichtiges Indiz bildet. Die oberösterreichischen Behörden hoffen - wie gesagt - dass ihnen die Überführung der Verbrecher in den nächsten Tagen gelingen wird und so die furchtbare Bluttat nach 17 Jahren endlich ihre Sühne finden kann".
Vogelgesangklamm

Ode an die alte Linde am Kirchenplatz

Di, 08/07/2018 - 12:08
Als vor ein paar Tagen die alte Linde, die 1879 zur Silberhochzeit von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth, von Schulkindern am Kirchenplatz in Hinterstoder gepflanzt worden war, aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste, hat es viele Einheimische und Gäste mit Wehmut erfüllt. Ein Sturm riss Äste von der Linde und man musste feststellen, dass der Baum zum Teil innen hohl und stark vermorscht war und dadurch zu einer Gefahr für Menschen und parkende Autos wurde.
Den Arzt, Dr. Gösta Iwasiuk, dessen Vater in den Kriegsjahren 1942 bis 1945 Gemeindearzt in Hinterstoder war und dessen Familie in den 1950er Jahren in die USA ausgewandert ist und der jetzt in Kalifornien lebt, hat die Nachricht so erschüttert, dass er zum Nachruf an die alte Linde eine Ode verfasst hat.        
Dr. Gösta Iwasiuk   https://gusiwasiuk.com/
Siehe auch Beitrag im Blog vom 8.9.2017

Auf Saumwegen mit dem Fahrrad über die Berge

Fr, 08/03/2018 - 10:40
Wenn man in Wikipedia nach den Anfängen des Radfahrens im Gebirge sucht, wird 1973 als Beginn des Mountainbike-Sports angesehen.
Zitat: "......heute wird allgemein das Jahr 1973 als die Geburtsstunde und der Mont Tamalpais in Marin County Kalifornien, als der Geburtsort des Mountainbikes angesehen. Die ersten Mountainbikes waren Fahrräder des Typs „Schwinn Cruiser“, die von einer Gruppe von Radsportlern um Gary Fisher, Joe Breeze und Charles Kelly benutzt wurden, um die Schotterpisten am Mount Tamalpais hinunterzurasen......."

Dass es schon 1893 Radfahrer auf unseren Stodertaler Bergen gab, damals eine Kuriosität, kann man in alten Zeitungen nachlesen.


Welt-Neuigkeits- Blatt  18.7. 1893


                                                        "Tages Post" 27. September 1925

Der Photograph Johann Weinberger aus Pettenbach verwendete schon um 1910
sein Fahrrad, im Bild mit Ausrüstung, um Aufnahmen im Toten Gebirge zu machen.


In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, so erinnerten sich noch lange alte Leute in Hinterstoder, gab es einen kräftigen Burschen, dessen Herzallerliebste jenseits der Tauplitz in der Steiermark wohnte. Das Geld war knapp, die Bahnfahrt teuer und so fuhr er mit dem Rad jedes Wochenende in die Baumschlagerreith und schleppte es anschließend über den Salzsteig um damit seine Freundin zu besuchen. Jeder Bergsteiger aus der Gegend weiß, dass der Pfad über den Salzsteig, der ein uralter Salzschmugglerpfad ist, auch geübte Bergsteiger fordert. Das Rad, ein "Steyrer Waffenrad" wie damals im Stodertal üblich, war sehr stabil, aber auch sehr schwer.



Innerstoder und das Stodertal wie es Anton von Ruthner im Jahr 1870 beschrieben hat.

Fr, 07/27/2018 - 11:40
Dr. Anton Edler von Ruthner (geb. 1817, gest. 1897) war von Beruf Jurist und aus Begeisterung  Bergsteiger und Alpinschriftsteller. Er bestieg mehr als 300 Gipfel der Österreichischen Alpen darunter viele zum ersten Mal. So unter anderem auch im Jahr 1841 den Großvenediger 3657m . Ruthner war der erste, der als Pionier der Alpinistik und Hochtouristik die Bergwelt der österreichischen Alpen erforschte und sachgemäß beschrieben hat. Er war Mitbegründer des Österreichischen Alpenvereins (Gründungsdatum 1862) und gehörte bis 1870 dem Vorstand des Alpenvereins an.
Dr. Ruthner beschreibt in seinem Feuilleton  "Von Aussee nach Innerstoder über den Salzsteig" seine Eindrücke von dieser Tour.Wie er das Stodertal sah soll hier auszugsweise wiedergegeben werden.



"Auch im Jahre 1870 hat es mich bereits - ich glaube es war mein achter Besuch dort - hineingezogen in das nach meinem Urteil schönste Kalkalpental Österreichs, nach Innerstoder (Hinterstoder).Den Weg, welcher mich diesmal nach dem Stoder geführt hat ist allen Gebirgsfreunden aufs angelegentlichste anzuempfehlen. Das betrachte ich als eine Pflicht. Ich ging den kürzesten aus dem Salzkammergut in das oberste Steyrtal,  nämlich unmittelbar vom Grundlsee nach Innerstoder.Diese Partie zählt wegen der Abwechslung und Großartigkeit der auf ihr sich darbietenden Bilder zu den denkbar interessantesten in den Österreichischen Alpen".
Es folgt eine Beschreibung der Bergtour.

Den Weg über den Salzsteig beschreibt Dr. Ruthner folgendermaßen:"Wir haben von der Höhe über dem Salzsteig bis der schon von dort auf lachendem grünen Anger sichtbaren unteren Popen-Alpe eine Stunde benötigt. Zuerst bis zum Bärenschlagerreuth noch stark abwärts, von da an auf erträglichem, oft durch Wald geführten, doch viel auf- und absteigenden Fahrwege und in der letzten Stunde schon an den einzelnen Bauernhöfen vorbei bis zu Vogl`s Gasthaus zwei starke Stunden.So oft ich ihn gemacht, würde ich diesen Gang doch sogleich gerne wieder machen, denn immer imposanter entwickelt sich der Talschluß und allmählich tauchen auf der Nordseite im Hintergrund der wundervollen Taleinbuchtungen der Dietelhöhle und Polsterlucken über dem kühn geformten Osterwitz und dem zierlichen Klinserkogel die Prachtgestalten der Spitzmauer und des Hohen Priel auf, herzerfreuend und fast unwiderstehlich zum Besuch ihrer Höhen einladend".Der Artikel ist natürlich im Stil von 1870 geschrieben und wurde geringfügig an die heutige Schreibweise angepasst.
Nachstehend noch eine Empfehlung im Originaltext.

  

Baumschlagerreith dahinter der Salzsteig
Der Salzsteig von der Höss aus, dahinter der Dachstein
Die Poppenalm

Ursprung der Steyr



Das Stodertal, dahinter der Salzsteig

Gams Urban - Deserteur, Wildschütz und Schürzenjäger aus dem Stodertal

Fr, 07/20/2018 - 09:12
In seinen Skizzen aus dem Kremstal und Umgebung berichtete der Arzt Franz Steindl aus Kirchdorf in der "Tages-Post" vom 14. Juli 1883 über eine Ersteigung des Großen Priels in Innerstoder (Hinterstoder).
Er beschreibt die Beschwerden und Mühen der Bergtour, aber auch die prachtvolle Aussicht und das Erlebnis des Sonnenaufgangs inmitten von Berggipfeln und Felswänden. Steindl erzählt aber nicht nur von der herrlichen Berglandschaft, er erinnert auch daran, dass in einer Höhle zwischen Hochkasten und Spitzmauer der..." im Volksmund des Stodertals ewig fortlebende Gams Urban als Deserteur und Wildschütz sein Unwesen getrieben hat". Im Sommer bewohnte er diese Felsenhöhle und im Winter wusste er sich geschickt in den entlegenen Gehöften des Stodertals zu verbergen. Die Bauernmägde und Sennerinnen auf den Almen scheinen gegen seine Liebesbewerbungen gerade nicht spröde gewesen zu sein, da er einunddreissig Mal Vaterfreuden erlebt haben soll.

Allerdings war er nicht der einzige erfolgreiche Schürzenjäger vor rund 150 Jahren, wie in den "Skizzen aus dem Kremsthale und Umgebung" überliefert wurde. Der Autor des Zeitungsartikels berichtet weiter: "Bei meiner letzten Prielbesteigung im August 1865 fragte ich unseren Bergführer Karl Windhaager ob es wirklich stimmt, dass der Gams Urban Vater von 31 Kindern war. Der Führer lächelte verschmitzt und gab dem Gespräch eine andere Wendung. Später unten im Tal erfuhren wir, dass unser  Karl Windhaager der jetzt 60 Jahre alt war, bei den Einheimischen als ein eifriger Don Juan gegolten hat. Er hat seine Gunst nur den Schönsten der Almen und des Tales gewidmet und mit 36 Kindern bei der Vaterschaft den Gams Urban noch übertroffen. 
Im Wilderermuseum St. Pankraz - Sennerin versteckt Wilderer vor dem Jäger,
der beim Fenster hereinschaut, unter ihrem Bett


"Bergfahrt" auf die Spitzmauer im August 1867

Fr, 07/13/2018 - 12:39
Die Zeitschrift "Die Debatte" vom 19.1.1869 berichtet von einer "Bergfahrt" (Bergtour), die der Windischgarstner Mönch, Priester, Familienvater, Bergsteiger, Forscher und Erfinder Hans Hauenschild (geb. 1842 - gest. 1901) im August 1867 gemacht hat. Sein Bericht wird nachstehend, dem Stil unserer Zeit etwas angepasst zum Teil wiedergegeben. - (Siehe auch den Beitrag über Hauenschild in diesem Blog vom 26. April 2016)
Die erste Besteigung der Spitzmauer soll im Jahr 1858 stattgefunden haben. Doch das ist nachweislich ein Irrtum, da schon früher Jäger und Besitzer angrenzender Almen das Österreichische Matterhorn bis zum Gipfel bestiegen haben.Mit dem Förster Franz Forsthuber und weiteren sechs Bergkameraden begab sich Hans Hauenschild  am 13. August 1867 vom Jaidhaus aus zum Prielaufstieg und erreichte mit Anbruch der Nacht die obere Polsteralm. Dort wurde fröhlich gerastet, gegessen und getrunken. Es war spät als die Bergsteiger den letzten Tropfen Grog schlurften und sich in der Herrenstube zur Ruhe begaben. Diese so genannte Herrenstube ist ein Anbau an den Stall mit einer mit Heu befüllten Schlafstelle. Der Ehrenplatz wurde dem Bergführer überlassen, der bald mit Schnarchen von der Güte seines Bettes Nachricht gab. Weil dort nicht genügend Platz war gingen die anderen Teilnehmer der Bergtour in den ersten Stock bzw. unter das Dach zum Schlafen. Doch auch dort stellte sich trotz des prächtigen  Heus der Schlaf nicht ein. Schuld war das Ziegenvolk, das ebenfalls diesen Dachboden bewohnte und keine Ruhe geben wollte. Besonders der Ziegenkönig schien eine besondere Freude daran zu haben, den nunmehrigen Mitbewohnern wenigstens jede Minute einmal zu zeigen, dass seine umgehängte Schelle noch klingeln kann. Etwas später trug der Nachtwind einen "Stöderer Juchezer" daher, Menschenstimmen wurden laut und gleich darauf wurde deutlich vernommen:
                                            "Wir müssen heute noch ins Biri (Gebirge) gehn,                                             Rührt sich keine Luft, ist der Himmel schön,                                             Die Mäuer (Felsen) sind sind so hell und klar,                                             Schöner wird es kaum mehr dieses Jahr."
Im Nu waren die Bergsteiger in den Schuhen und im Freien. Die nächtlichen Sänger waren noch weit unten, kamen aber heraufgeklettert und entpuppten sich als zwei Vorderstöderer, die es unten nicht aushalten konnten weil es heute gar so schön ist. Sie wollten unbedingt noch vor Sonnenaufgang am "Größtenberg" (Goßen Priel) sein. Die Nacht war wunderbar schön und die Riesenwände der Spitzmauer glitzerten geheimnisvoll herüber.Vom Schlaf war keine Rede mehr. Die Gesellschaft ließ sich noch einen kräftigen Kaffee kochen, der wunderbar schmeckte und brachen bei hellem Vollmond um halb zwei Uhr auf. Die beiden Vorderstöderer schlossen sich der Gruppe an. Die Partie sollte nicht ohne Abenteuer verlaufen. Eben war der steilste Teil einer Schneewand zu erklimmen, als plötzlich ein leiser Ruf und das Geräusch eines fallenden Körpers vernommen wurde. Im nächsten Augenblick fuhr auch schon eine dunkle Masse die weite Schneefläche hinunter. Es war einer der Touristen, der durch einen Fehltritt stürzte und Kopf über den Hang hinunter kollerte. Erst im unteren Drittel gelang es ihm den Fall mit seinem Bergstock abzubremsen und stehen zu bleiben. Sein Hut aber setzte die Reise fort. "Da muss man ja nachfahren!" rief der entschlossene Führer und glitt in sausender Eile, doch sehr sicher abwärts. Kaum hatte er den Halbbetäubten erreicht, als eine zweite unfreiwillige Rutschpartie erfolgte. Ein zweiter unvorsichtiger Bergsteiger flog mit solcher Wucht hinunter, dass er den entgegen springenden Führer niederriss, worauf beide bis zum Rand des Schneefeldes hinunterrollten. Das hatte nicht drei Minuten gedauert. Glücklicherweise ging es für alle gut aus, nur einige Hautabschürfungen blieben von diesem Abenteuer zurück.Um weitere Rutschpartien zu vermeiden, wurden mit einer Hacke (Axt) Stufen in die Schneewand gehauen und auf diese Weise ohne weiteren Unfall die Brodfallwand erreicht, wo die beiden Vorderstöderer schon angekommen waren. Als man über die Wand hinaufkletterte herrschte bereits Dämmerung und auf dem Grat wurde es schon hell. Es war beinahe halb fünf Uhr und es schien fast unmöglich, den höchsten Punkt, die neue Pyramide, vor Sonnenaufgang zu erreichen. Doch die Äußerung "Klammer´s" so hieß der Führer mit seinem Spitznamen - "Wenn wir recht laufen so geht´s schon", gab Signal zu einem Wettrennen, das auf so einem Terrain wohl noch nie ausgeführt worden sein dürfte. Bald standen wir an der Pyramide am Gipfel und hatten bis zum Sonnenaufgang hinlänglich Zeit zum Ausschnaufen.Als die Sonne aufstieg lagen die fernen Eismassen der Tauernkette noch in kalter Nachtfarbe. Dann rötete sich zuerst der Dachstein, die höchsten Gipfel der Salzburger- und Tiroleralpen  begannen zu glühen und zuletzt umsäumte den ganzen Westen  ein Rosenpurpurgürtel, nur über das Tote Gebirge lag noch ein riesiger Schattenkegel, dessen Spitze bis an den Nordrand des Tennengebirges reichte.Die Gesellschaft blieb zwei Stunden auf dem Gipfel und labte sich an der Aussicht und am Proviant. Die Stöderer sangen nach Herzenslust, ein Gämsenrudel zeigte sich in der Ferne und verschiedene Bergabenteuer wurden erzählt, unter anderem das nachstehende.
Der verstorbene Erzherzog Ludwig bestieg am 27. August 1819 mit zahlreicher Begleitung den Großen Priel, Unter den Trägern befand sich auch der damalige Schullehrer von Hinterstoder, dem es eine besondere Ehre war das Kaffeeservice der Herrschaften zu tragen. Auf dem höchsten Oberösterreichischen Gipfel wollte man die grandiose Aussicht und eine Tasse Mokka genießen.
Als der Schulmeister den obersten Rand des Schneefeldes schon fast erreicht hatte, glitt er aus und  rutschte das steile Schneefeld mit rasender Geschwindigkeit hinunter. Alle waren erschrocken...die Diener jammerten um das schöne Kaffeegeschirr....die hohen Herrschaften bangten um den verunglückten Schulmeister. Dieser aber nahm keine Rücksicht auf seine Gliedmaßen und auch auf sein Leben. Viel wichtiger war ihm, dass das Kaffeeservice der allerdurchlauchtigsten Herrschaften nicht Schaden nahm. Er hielt mit beiden Händen den Korb hoch über den Kopf und gab seinen Körper schonungslos den Prellungen und Stößen der Rutschpartie preis. Unten angekommen war er zwar arg mitgenommen, hatte zahlreiche Schürfwunden und blaue Flecken aber das Geschirr war größtenteils unbeschädigt. Unter tiefsten Seufzern wollte er zum zweiten Mal aufsteigen, es wurde ihm aber befohlen zur Almhütte zurückzukehren, wo das Service schon noch Verwendung finden werde. Das tat er dann auch und erntete unten stürmische Danksagungen eines Dieners, der bei dem übrigen Gepäck in der Hütte zurückgeblieben war. Dieser Diener machte sich schon die ganze Zeit über die größten Vorwürfe, weil er das Wichtigste vergessen hatte, nämlich den Kaffee für die Herrschaften mit einzupacken. Das Service wäre wohl umsonst hinauf getragen worden.
Die Geschichte berichtet weiter, dass der Lehrer gemeinsam mit der allerhöchsten Gesellschaft in der Alm aus des Erzherzogs höchst eigener, zwar leicht beschädigter, henkelloser Kaffeetasse, zum guten Abschluss einen Kaffee geschlürft habe. Bestimmt ist er ihm weder früher noch später so köstlich über die Lippen gekommen.


Stodertal - Spitzmauer 2446m , gesehen vom Aufstieg auf den Hoch-Priel


Veranstaltungen in Hinterstoder

Sa, 07/07/2018 - 16:06





Die Selbstmordkomödie vom Gleinkersee

Fr, 07/06/2018 - 11:45




Die Kronenzeitung  berichtete im Dezember 1930 von einer Tragikomödie deren Schauplatz der
Gleinkersee war. 
"Der letzte Sproß einer alten oberösterreichischen Patrizierfamilie, der 47 jährige Ingenieur Erich Schröckenfux, dessen "Selbstmord" seinerzeit großes Aufsehen erregte, steht in einer für drei Tage  anberaumten Verhandlung wegen versuchten Betruges vor dem Schöffengericht.Mit ihm ist seine Freundin, Marie Fuchs, eine Hausbesitzerstochter aus Windischgarsten, die in seine Affären eingeweiht und ihm bei der Ausführung seiner Pläne behilflich war, mit angeklagt. Die Anklage legt Schröckenfux zur Last, er habe durch fingierten Selbstmord mehrere Versicherungsgesellschaften um hohe Beträge betrügen wollen.Die Familie Schröckenfux besaß seit Jahrhunderten eine Sensenfabrik in Roßleiten in Oberösterreich, sie galten als eine der reichsten Familien im Lande. Bis zum Kriegsende wurde das Unternehmen  von den Brüdern Erich und Artur Schröckenfux geführt, unter ihrer Führung musste das Geschäft wegen schlechten Geschäftsganges  und Kapitalmangel in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden; die beiden Brüder  Schröckenfux waren an dem Unternehmen nur noch mit 20 Prozent beteiligt und mussten sich mit einer Anstellung bescheiden. Die Staatsanwaltschaft schreibt die Schuld  an dem Niedergang auch der leichtfertigen Geschäftsgebarung des Ingenieurs Schröckenfux zu, der sich in der Inflationszeit in allerlei Geschäften, von denen er nicht viel verstand, versuchte und auch ein verschwenderisches Leben führte.Er geriet immer mehr in Schulden und als er keinen Ausweg mehr sah, fasste er den Entschluss nach Südamerika auszuwandern.Seine Gefährtin auf der Reise sollte die Geliebte sein. Frau und Kinder sollten erst nach der Flucht von seinem Plan erfahren. Die Kosten der Überfahrt und die Existenzgründung in Südamerika sollten Versicherungsgesellschaften bestreiten.Schröckenfux hatte sich vor Jahren bei mehreren Versicherungsgesellschaften auf insgesamt 446.000 Schilling (Kaufkraft heute ca. 1 330 000 €) versichern lassen.Er erörterte wiederholt mit seiner Freundin die Möglichkeiten, von den Versicherungsgesellschaften Geld zu erhalten, sie berieten oft darüber ob ein Unfall oder Tod das richtige Mittel zur Erreichung ihres Zweckes wäre.Im Mai 1929 schritt Schröckenfux an die Verwirklichung des Planes. Er löste für sich und seine Gattin einen Pass und überreichte an Stelle der Photographie seiner Frau, die der Marie Fuchs. Die Geliebte ließ sich aber auch einen eigenen Pass ausstellen. Schließlich veranlasste Schröckenfux einen der Angestellten der Gesellschaft, einen Pass auf den eigenen Namen, jedoch mit der Photographie von Schröckenfux zu lösen.Als alles für die Reise vorbereitet war, begab sich Schröckenfux zum Gleinkersee um dort für die Versicherungsgesellschaften zu sterben.Er ließ am Ufer einige Kleidungsstücke zurück, in den Taschen waren Abschiedsbriefe an den Bruder Artur, dem er als Motiv seines Selbstmordes die misslichen finanziellen Verhältnisse und die Furcht vor geistiger Umnachtung angab. Er gibt dann seinem Bruder den Rat, diesen Abschiedsbrief vorläufig geheim zu halten; vielleicht wird die Allgemeine Unfallversicherung einen Unfall annehmen und die Versicherungssumme auszahlen. Werde aber ein Unfall bezweifelt, dann solle der Abschiedsbrief vorgewiesen und Selbstmord in geistiger Umnachtung behauptet werden; in diesem Falle würden nur die beiden anderen Versicherungsanstalten die Versicherungssummen auszahlen.Die wahre Absicht Schröckenfux` war aber eine andere:Die Versicherungssumme sollte die Geliebte beheben, die sich mit dem gemeinsamen Pass als seine Witwe ausweisen konnte.Bezüglich der Assicurationi Generali, bei der er versichert war, ging Schröckenfux noch weiter; er hatte bereits früher die Polizze einem Notar mit dem Auftrag übergeben, im Falle seines Ablebens die Versicherungssumme zu beheben und Marie Fuchs auszufolgen.                                              Die Flucht.Ende Mai fuhr dann Schröckenfux über Berlin  nach Hamburg. Dort wartete er auf das Eintreffen der Freundin. Indessen wurden seine Kleider am Ufer des Gleinkersees  von der Gendarmerie gefunden. Taucher suchten den See nach seiner Leiche ab, doch selbstverständlich ohne Erfolg. Als man die Weisung Schröckenfux`an seinen Bruder gelesen und dann festgestellt hatte, dass Schröckenfux und seine Geliebte mehrere Pässe gelöst hatten, glaubte man nicht mehr an den Selbstmord. Aus Berlin kam die Nachricht, dass man den Selbstmörder dort gesehen habe.Es wurden Erhebungen in allen Hafenstädten eingeleitet und nach einigen Tagen konnte Schröckenfux  in einem Hamburger Hotel verhaftet werden. Er wurde an Österreich ausgeliefert, befand sich einige Monate beim Kreisgericht  Steyr in Haft, dann wurde er auf freien Fuß gesetzt und für die Durchführung seines Strafprozesses an das Wiener Landesgericht delegiert.Schröckenfux erklärte sich für nicht schuldig. Wenn ihm die Anklage leichtfertige Geschäftsführung vorwerfe, so müsse er darauf verweisen, dass er jederzeit bestrebt gewesen sei, die von ihm geleitete Sensenfabrik aktiv zu erhalten. Leider sei die wirtschaftliche Lage nach dem Krieg schlecht gewesen, weil der Hauptabnehmer für Sensen, Rußland, nur mehr de Hälfte der früheren Bestellungen beanspruchte.Ausführlich begründete der Angeklagte den Abschluss von Lebensversicherungen bei verschiedenen Gesellschaften und gibt als Motiv für den Abschluss der Versicherungen zugunsten seiner Geliebten Marie Fuchs an, dass er die Zukunft seiner Braut sicherstellen musste, weil sie seinetwegen zwei Heiratsanträge ausgeschlagen hatte.Über seine Ehe sagte der Angeklagte: Ich habe 1911 geheiratet, die Ehe war von Anfang an unglücklich, meine Frau war hysterisch. Obgleich ich bestrebt war, ihr das Leben so angenehm als möglich zu gestalten, hat meine Frau mich immer beschimpft. Dazu kam eine wahnsinnig, grundlose Eifersucht meiner Frau.Vorsitzender: Konnten sie nicht diese Lage durch eine gerichtliche Scheidung ändern?Angeklagter: Nein, meine Frau wollte davon nichts wissen.Vors.: Sie haben sich dann für andere Frauen interessiert?Angeklagter: Erst im Jahre 1928, als ich Fräulein Fuchs kennen lernte. Andere Beziehungen zu Frauen hatte ich nicht, es wurde mir nur fälschlich nachgesagt.Vors.: Wann ist in ihnen der Entschluss zur Auswanderung nach Südamerika gereift?Angeklagter: Im Winter 1928 las ich eine Annonce, dass ein Betriebsleiter für ein Eisenwerk in Brasilien gesucht wurde. Um diese Stelle bewarb ich mich. Nach fünf Monaten erhielt ich die Antwort, ich möge mich Ende Mai in Hamburg bei dem Bevollmächtigten der brasilianischen Firma vorstellen.Da ich meinem ehelichen Leid um jeden Preis ein Ende machen wollte, beschloss ich, Selbstmord vorzutäuschen, um aus Europa ohne Schwierigkeiten verschwinden zu können.Schröckenfux erzählte weiter, dass er die Fuchs für den 26. zum See bestellt habe. Dort habe er ihr mitgeteilt, dass er am nächsten Tag weggehe. Sie sollte gleich mit ihm kommen. Das Mädchen aber meinte dass sie ihm nachkommen werde. Der Angeklagte bemerkte, dass Marie Fuchs gefragt hat, ob man sein Vorgehen nicht als Versicherungsbetrug auslegen werde. Er habe ihr aber das ausgeredet. "Ich war", sagt Schröckenfux, "felsenfest davon überzeugt, dass man mein Vorgehen niemals als Verbrechen wird auslegen können."Vors.: Wie sind sie überhaupt bei dem Gespräch mit der Fuchs auf die Versicherung zu sprechen gekommen?Angeklagter: Die Fuchs meinte, ich solle doch die Versicherung für meine Familie hier lassen. Ich aber sagte ihr drüben gäbe es keine Versicherungen und wenn mir etwas geschehe stünde sie hilflos verlassen in der Welt.Schröckenfux erklärte, die Marie Fuchs habe nur um die zwei zu ihren Gunsten abgeschlossenen Versicherungen gewußt. Weisung wegen Behebung des Geldes habe er ihr nicht gegeben. Ende Mai habe er sich aus seiner Wohnung entfernt und einige Tage auf der Stofferalm verbracht. Am 27. Mai nachmittags habe er seine Kleider am Seeufer niedergelegt.Dann sei er in der Nacht von der Station Spital am Pyhrn mit dem Schnellzug nach Deutschland abgereist."Marie Fuchs bestreitet eine Mitschuld..........

Gleinkersee
Taucher am Gleinkersee  Tages Post 4. Dezember 1930    

Gemeindekooperation Hinterstoder - Klaus gewinnt Regionalen Nachhaltigkeitspreis 2018

Sa, 06/30/2018 - 11:00
Julia Körber von der Gemeinde Hinterstoder informiert


Am Bild v.l.: Susanne Kreinecker, Felix Fößleitner, Sabrina Popp, Florian Radner und Wolfgang Löberbauer Foto: Walter Silber

Taucher im Gleinkersee

Fr, 06/29/2018 - 11:47
Eine große Sensation war die Suche nach dem, wie man vermutete, im Gleinkersee ertrunkenen Ing. Erich Schröckenfux, dem technischen Leiter des gleichnamigen Sensenwerks in Roßleiten. Seine Kleider hat man Ende Mai 1929 am Ufer des Sees gefunden. Von ihm fehlte jede Spur. Ing. Schröckenfux wollte zur Jagd und dabei einige Tage in der Jagdhütte seiner Mutter, oberhalb des Sees, verbringen. Man wusste er konnte gut schwimmen, dennoch vermutete man einen Badeunfall.


Die Tages-Post vom 14. Juni 1929 berichtete ausführlich über die Suche:"Den Angehörigen des Vermissten war darum zu tun, dem See das Opfer, das er sich geholt, zu entreißen. Sie bemühten sich deshalb um Taucher, italienische, rumänische und auch ein deutsches Unternehmen schlugen das Angebot aus. Das Spreng- und Tauchunternehmen Ferdinand Sides in Mannheim nahm es jedoch an und schickte zwei erfahrene Taucher, Herrn Roß aus Walsum a. Rhein und Herrn Rhin aus Mannheim mit der erforderlichen Ausrüstung nach Roßleiten. Sie gingen Samstag den 8. Juni zum ersten mal und zwar an der mutmaßlichen Unfallsstelle in das Wasser des Gleinkersees und tauchen seither systematisch zwischen den Felsen und Bäumen. Die Zuschauer verfolgen und beobachten die Arbeiten mit der Freude von Kindern. Sonntags richteten weit über 1000 Leute den Blick auf das etwa 100 Quadratmeter große, von leeren Fässern im Auftrieb verstärkte Floß, den Stützpunkt der beiden Taucher.Der Garderobewechsel auf dem Taucherfloß ist immer die große Sehenswürdigkeit. Der Taucher nimmt zuerst den roten Wollschal um den Hals, zieht sich zwei Paar schier bis zum Rumpf reichende, dicke Wollstrümpfe über die Beine hinauf und steckt dann auf einer Bank stehend, die Füße in den Taucheranzug, der luft- und wasserdicht ist und aus Gummi und Leinen besteht. Vier starke Hände haben zu tun, um ihm den Wams über die Schultern zu ziehen. Er riemt sich dann die schweren, mit Bleiplatten besohlten Schuhe an die Füße. Mit einem Griff ist ihm auch das Schulterstück und darüber der Helm mit den Sehscheiben aus starkem Kristallglas aufgesetzt. Zu guter Letzt behängt man ihn mit einem 42 Pfund schweren Vorder- und einem 50 Pfund gewichtigen Hinterblei, damit er unter Wasser die notwendige Standfestigkeit hat und rasch den Grund erreicht. Die Luft zum Atmen wird ihm durch einen Schlauch, der in den Helm einmündet von vier auf dem Floß postierten Arbeitern zugepumpt.Alle 10 Meter, die er tiefer geht, braucht er um eine Atmosphäre mehr Druck. Die notwendigen Zeichen gibt er mit einer Signalleine, sein Kamerad am Floßrand hält sie in der Rechten, was ihm die Leine ruckweise mitteilt übersetzt er sofort in einen kurzen Befehl an die Hilfsmannschaft. Hat der Taucher in seiner Rüstung Überluft, so genügt eine Wendung des Kopfes um das Ventil im Helm zu öffnen. Den Dolch an der Seite, sonst eine Waffe gegen Unterwasserräuber, benützt er im Gleinkersee zum Kampf gegen Geäst. Zur Ausrüstung gehört auch eine Unterwasser-Lampe, die mit einer Batterie durch ein Kabel verbunden ist. In Verwendung kommt sie nur, wenn bei zunehmender Tiefe die Lichteinstrahlung für den Taucher so gering wird, dass er zur Orientierung einen optischen Anhaltspunkt braucht. Die systematische Suche im See wird von Süden nach Norden hin durchgeführt. Dazu sind Drahtseile gespannt worden, an denen das Floß mit dem Taucher unter Wasser, langsam über den See bugsiert wird. Nur so, bei strichweiser Streife, ist mit einem Erfolg zu rechnen. Lotungen sollen ergeben haben, dass die tiefste Stelle des Sees 35 Meter unter dem Spiegel liegt. Der Volksmund, der ja auch Sagen über den Gleinkersee weiß, berichtet allerdings von 150 Meter Tiefe. Bis jetzt sind die Taucher nur auf 25 Meter gekommen aber von Tag zu Tag gehen sie größeren Tiefen zu. Der Seegrund ist ein Wirrwarr von Felstrümmern und vermorschten Baumschäften, zwischen denen hemmendes Geäst und tiefer Schlamm liegen. Der Schlamm ist so nachgiebig. dass der Taucher Roß schon einmal bis zur Brust hinauf eingesunken ist. Der südliche Seegrund ist die Trümmerstätte einer großen Lawine, die einst mit verheerender Gewalt niedergegangen sein muss. Das verraten übrigens auch die Gesteinsfragmente am Ufer. Neben dem Schlamm sind Schründe am Seegrund von besonderer Gefahr für die Taucher, Risse, die zwei bis drei Meter  weit auseinanderklaffen und wie Fallgruben auf des Menschen Schritte lauern. Die Temperatur am Seegrund wird mit  sechs bis acht Grad angegeben. Das bedeutet für den Taucher empfindliche Kälte. Er muss deshalb auch mit Handschuhen arbeiten. - Im Seeabschnitt der zur Zeit bearbeitet wird sind die Lichtverhältnisse noch gut, die Sicht des Tauchers befriedigend. Die Klarheit des Wassers ist ein Zeichen dafür, dass der See filternden unterirdischen Zu- und Abfluss hat, die Beobachtungen der Taucher gehen auch dahin, dass Strömungen am Grund vorhanden sind und zwar gegen die Seemitte zu. Vermutlich ist auch dort der Leichnam des Vermissten am ehesten zu finden. Verschlammt ist er nach Ansicht der Taucher auf keinen Fall, sondern eher in Schwebe.Gleich nach dem Abstieg des Tauchers in das dunkelgrüne Reich ist auch seine Rückkehr aus dem Wasser das gesuchte Schauspiel der zahlreichen Ufergäste. Die Signalleine zeigt an, dass er den Grund verlassen will. Mit dem Seil wird das Ungetüm hochgezogen. bis zur Holztreppe die zum Wasser führt. Steht der Taucher nun wieder auf festem Boden, dann wird ihm sofort das Verschlussstück vor dem Mund aus dem Helm geschraubt, damit er Luft bekommt. Er steckt sich nun entweder eine Zigarette an oder spuckt den Kautabak aus. Man befreit ihn von den Bleistücken und den 30 kg schweren Schuhen, nachdem ihm der Helm abgenommen worden ist. Schließlich greifen acht Hände gerade nicht sanft zu um ihm die Rüstung vom Leibe zu ziehen. Die tropft noch, während sie der zweite Taucher anlegt um die Arbeit fortzusetzen .....Länger als zwei Stunden währt der Aufenthalt des Tauchers unter Wasser niemals. Im Gleinkersee bedeuten 40 Minuten - so lange blieb Dienstag der Mannheimer Rhin auf dem Grund - eine Sonderleistung. Sein Kamerad Roß entstammt übrigens einer alten Taucherfamilie, denn schon sein Großvater erwarb unter Wasser sein Brot und auch seine Brüder stehen ohne Ausnahme im Taucherberuf, der mehr Schatten als Lichtseiten hat, allerdings - wird dafür schwer bezahlt".






Hinterstoder erhält den Europäischen Dorferneuerungspreis 2018

Mi, 06/27/2018 - 17:05

Vize-Bgm. Klaus Aitzetmüller, Juror Arno Frising, Jurorin Beatrix Drago, Bgm. Helmut Wallner und Juror Hans VerheijenFoto: Roland Wallner

Karl Krahl und das Prielschutzhaus

Fr, 06/22/2018 - 11:36
Karl Krahl (geb. 1819, gest. 1891) kam von Dresden zum Studium der Chirurgie und Geburtshilfe an die Universität Wien und schloss sein Studium als Magister der Chirurgie ab. Er wurde Arzt in Stetten und Bisamberg nordöstlich von Wien.1848 heiratete er die Witwe des Hofwappenmalers Josef Stein in Wien und übernahm dessen Geschäft. Seine Arztstelle gab er auf. Sein Lieblingsurlaubsgebiet war Hinterstoder und die umliegenden Berge. Beim Bergsteigen am Großen Priel entdeckte er vor dem Ausstieg auf die Brotfallscharte eine Höhle, die er mit Holz auskleiden und mit einer Tür versehen ließ. Dadurch entstand 1876 die erste  provisorische Unterkunft für Nächtigungen auf dem Großen Priel.Karl Krahl war auch Mitglied im Zentralausschuß des Österreichischen Touristenclubs und dessen Bibliothekar. Gemeinsam mit Anton von Ruthner, dem berühmten Bergsteiger, Hans Hauenschild, dem Erfinder  und  dem Pfarrer von St. Pankraz Franz Oberleitner, dem Botaniker, bemühten sie sich sehr um die Förderung des Tourismus in der Pyhrn-Priel Region und schrieben zahlreiche interessante Berichte in diversen Zeitungen. Es kamen immer mehr Bergsteiger in das Stodertal und am 16.8.1884 wurde nahe der oberen Polsteralm das erste Schutzhaus am Großen Priel eröffnet. Es bekam den Namen "Karl Krahl-Schutzhaus". 1906 wurde es nach einem Umbau und Erweiterung in "Priel-Schutzhaus" umbenannt.Über die Eröffnung des Karl Krahl-Schutzhauses 1884 berichtet die Chronik: "Das Wetter war so grauslich, dass ein Drittel der weit gereisten, im Jaidhaus  übernachtenden Gäste der Eröffnungsfeier nicht aufsteigen wollten. Der Feier am nächsten Morgen wohnten bei schönem Wetter 20 Personen bei, die eingeschossige Schutzhütte mit Beherbergung für 15 Personen wurde zu Ehren nach Karl Krahl benannt."   




Darstellung des Doppeladlers ('mittleres Wappen'), umgeben von k.k. Marineflaggen, in rechteckigem Rahmen mit den Wappen aller Kronländer. Farbchromlithografie der k.k. Hof- und Staatsdruckerei Wien 1877 nach Entwurf und Gemälde von Karl Krahl. 





1906 wurde das Karl Krahl - Schutzhaus in Priel - Schutzhaus umbenannt
                                                                 Prielschutzhaus ca. 2010

Fang eines Steinadlers vor 143 Jahren

Fr, 06/15/2018 - 15:08
Heute sind alle Tier- und Naturfreunde sehr froh, dass gefährdete Arten wie Steinadler unter Naturschutz gestellt worden sind, damit sie vor dem Aussterben bewahrt werden. Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert war das noch ganz anders. Steinadler wurden gejagt, weil sie  oft weidende Tiere wie Geflügel oder junge Schafe von Bauern holten. Über  Adler aus dem Stodertal wurde damals in verschiedenen Zeitungen berichtet.

Um den Artikel, der im Original schwer lesbar ist besser verstehen zu können, haben wir den Text, unter Beibehaltung der alten Rechtschreibung, übertragen.
Fang eines SteinadlersHerr Simon Hagenauer erzählt:In den ersten Juli-Tagen, während eines Aufenthaltes in Hinterstoder an der oberösterreichisch-steiermärkischen Grenze, begleitete ich die Kinder des mir befreundeten „Dietlbauers“, welche Schafe im Gebirge suchten. Drei Lämmer waren nicht zu finden und gaben meine Begleiter dem dort sogenannten „Gemsgeier“, der im Revier nistete, die Schuld. Ich fasste sogleich den Entschluss, den Horst desselben auszunehmen, musste jedoch am nächsten Tage abreisen und somit die Sache aufschieben.     Am 17. Juli kehrte ich wieder auf das Dietlgut in Hinterstoder zurück. Meine erste Frage war nach dem Adlerhorste und ob das Junge noch nicht abgeflogen; man kannte wohl im Allgemeinen die Felsmauer, wo sich dasselbe befand und hatte es noch in den letzten Tagen schreien gehört; Genaueres wusste man nicht. Am 19. erblickte ich durch das Perspectiv in einer furchtbaren Felswand ein dürres Gestrüpp, dass ich für das Nest hielt, konnte es aber nicht deutlich unterscheiden; den nächsten Tag stieg ich frühzeitig mit Seppel, dem sechzehnjährigen Sohne des Dietlbauers, einem trotz seiner Jugend sehr ausdauernden und unerschrockenen Gebirgssteigers, zu jener Felswand, um genaue Untersuchung anzustellen über die Möglichkeit eines  Zukommens, namentlich Hineinseilens zum Neste, wozu ich, wenn irgend thunlich, fest entschlossen war. Gegen 10 Uhr Vormittags – wir saßen unterhalb der Wand, in der ich das Nest vermuthete – meldete sich der junge Adler, mit besonderer Heftigkeit und wir sahen den Alten hinfliegen, gleich aber wieder abstreichen; er hatte Nahrung gebracht und durch die Bewegung beim Verzehren sahen wir das Junge ganz deutlich an eben dem Puncte, wo ich Tage zuvor den Horst entdeckt zu haben glaubte.     Nun hatten wir über den Ort wenigstens Gewißheit; durch gründliches Umsteigen der Wand, wobei wir auch den Horst sammt Insassen oft durch`s Perspectiv beobachteten, gelangten wir  gegen Abend zu folgendem Ergebnisse: Mit dem Hinablassen am Seile war nicht beizukommen, weil die Wand zu stark überhängig war, ich also mehrere Klafter (1 Klafter = 1,80m) vom Neste gehangen hätte, beim Neste selbst aber kein genügender Raum war, auf dem ich, wenn ich mich durch Schwingungen näher gebracht hätte, den Kampf mit dem schon sehr großen und starken Adler aufnehmen konnte; weil bei der enormen Höhe – mindestens 30 Klafter – Seile von der nöthigen Stärke sehr schwer zu transportiren und ohne besondere Vorrichtungen kaum zu handhaben gewesen wären; endlich, weil die Beschaffenheit des oberen Theiles der Wand ein Durchreihen oder Verklemmen des Seiles wahrscheinlich machte. Hingegen erschien es denkbar auf einer Seitenwand, die mit der Hauptwand einen sehr steil und tief hinabziehenden Graben bildete, von oben, freilich mit großer Schwierigkeit, so weit hinabzusteigen, dass man auf das Nest hinschießen konnte. Diese Operation wurde auf den folgenden Tag festgesetzt.     Am 21. Juli hatten wir Regen und Nebel, so dass wir  etwas später, als projectirt, und mit wenig Hoffnung fortgingen; doch besserte sich das Wetter so weit, dass wir deutlich die Wände sahen. Wir führten den Stieg hinab, der durch die Nässe noch sehr erschwert war, glücklich aus; mehrere Male mussten wir die Büchsen ablegen und einer dem anderen reichen; eine Leine, die wir vorsichtshalber mitgenommen hatten, warf Seppel, um die Untersuchung, wann und wo dieselbe zu gebrauchen, abzuschneiden, zu einer unter uns stehenden Fichte hinab: „Bis dorthin steigen wir so und dort können wir schießen“, und nach dieser raschen That mussten wir schleunig hinabsteigen, da die Fichte, wenn wir auch nicht gerade bequem hinter ihr saßen, der einzige Anhaltspunct war, den wir ober einem ungemessenen Absturze hatten. Wir richteten einen Ast zum Auflegen der Büchse zu und beobachteten den Horst: deutlich unterschied ich einige starke Holzprügel, die zur Grundlage des Nestes zusammengefügt waren; der junge Adler lag auf einem Felsvorsprunge etwas oberhalb desselben, die überhängende Wand bildete fast eine Höhle. Genau die Distanz zu schätzen war schwer, jedenfalls ein enorm weiter Schuß, noch dazu sehr schräg abwärts.     Wir wollten einerseits eine Stellung des Adlers abwarten, die hoffen ließ, dass er nach dem Schusse herabfalle, andererseits kam vielleicht auch der Alte in Schußweite, wenn wir uns richtig verhielten. Um 10 Uhr herum kam er wirklich wie gestern, allein er musste uns bemerkt haben, denn wie ein Blitzstrahl, der in´s Nest schlug, war er dort und auch wieder weg, bevor ich nur das Gewehr an die Wange bringen konnte. Der junge Adler lag ruhig und behaglich da, bewegte sich nur selten und nahm nicht die gewünschte Stellung an. Gegen 2 Uhr drohte ein neuer Regenguß, der das Zurücksteigen über ungemein steile abschüssige Felsen, sowie über schlüpfriges Gras noch bedenklicher machen konnte; kam dazu dichter Nebel, so war die Aussicht für heute vorbei. Ich beschloß daher, den Schuß zu versuchen, legte die Büchse auf, zielte mehrmals und gerade um 2 Uhr drückte ich los. Noch nie habe ich im Gebirge einen Schuß so furchtbar grollen und donnern gehört, als zwischen diesen Wänden. Das majestätische Getöse, der Jagdeifer, die wilde Scenerie, das edle Wild vor mir, wirkten mächtig auf mich ein, ich unterdrückte nur mühsam ein heftiges Zittern. Uebrigens war der Adler nicht getroffen, er sprang auf und ging an den Rand seines Ruheplatzes vor. Schnell hatte ich wieder geladen und nun krachte es noch einmal. Den Adler warf es in das Nest herab, wir glaubten ihn getroffen, dann flog er mit unsicheren Flügelschlägen weg und abwärts über ein breites Thal, bis wir ihn nicht mehr sahen.     Tief unten jauchzte man uns nach dem Schusse von einer Alpe zu, wo man unsere Absicht, den „Gemsgeier“ heute aus dem Neste zu schießen, kannte. Wir schrien Marcus, einem alten Jäger, der unter der Felswand postirt war, zu, die Wirkung des Schusses, sowie allfälliges Abfliegen oder Abstürzen zu beobachten und zeigten ihm an, wo er uns treffen solle. Hierauf stiegen wir glücklich hinaus und rasch hinab; allein auch Marcus hatte den Ort, wo sich das Thier niedergelassen, nicht erblicken können. Schnell nach Hause, Leute requirirt und Alles in der Gegend, wo wir ihn vermutheten, abgesucht, da nach den Anstrengungen des unfreiwilligen ersten Fluges ein schnelles Wiedererheben nicht zu erwarten war. Mit dem Dunkelwerden kehrten wir resultatlos heim.     Am folgenden Tage saß ich von früh bis spät auf einem Felsblocke, spähte herum und hoffte, der junge Adler werde sich durch Hunger getrieben, melden, um dem Alten seine Zufluchtsstätte anzuzeigen. Umsonst. Mit demselben Erfolge kehrte ich Freitag, den 23. Juli, nach einigen Stunden Morgens um 8 Uhr heim und wollte mich etwas ausruhen, als gegen 9 Uhr die Kuhdirne, die soeben von der Alpe gekommen war, in mein Stübchen trat mit der Nachricht, sie hätte im Herabgehen hoch in einer Felswand das eigenthümliche Geschrei des Vermißten gehört. Bald hatte ich mich selbst von der Richtigkeit ihrer Angabe überzeugt und war unser Plan entworfen: „Seppel“ und ich steigen zu, Seppel`s  Schwester „Mietzl“ - nebenbei bemerkt, eine unübertreffliche Bergsteigerin -  sollte sich schleunig an einen ihr angegebenen Puncte des Reviers auf die Lauer legen, um ein nochmaliges Ausdemaugeverlieren unmöglich zu machen. Bald waren wir ober unserer Beute, konnten ihrer jedoch nicht ansichtig werden. Zwei Mal kreiste der alte Adler ober uns, so dass ich schon die Büchse spannte; beim letzten Baume, weiter hätten wir wegen des senkrechten Abfalles nicht gemocht, saß der Adler plötzlich hart vor uns, war aber im selben Momente auch schon weg. Doch strich er wieder etwas abwärts um eine Felsenecke. „Mietzl“ bedeutete uns aus der Tiefe durch Jauchzen und Huppen, dass sie ihn einfallen gesehen; wir erreichten in mächtigen Sprüngen kurz herauf das Thal, hatten uns über die Oertlichkeit verständigt und stiegen auf Umwegen von Neuem zu. Dieselbe Geschichte! Flugs war er weg, nachdem er uns wieder ganz nahe hatte kommen lassen. Auf der anderen Seite des breiten Bergthales zog er einige Kreise und fiel dann in einem steilen Bergwalde ein. Nochmals eilten wir hinab; es war mittlerweile Nachmittags geworden, doch spürten wir weder Hitze, noch Hunger oder Durst. Die Aufpasserin wurde neu angestellt und wir durchforschten den Wald; lange suchten wir; endlich stießen wir auf den Flüchtling und nun folgte der Schluß unserer Jagd, kurz und gut.     Sobald er uns erblickte, fuhr er wie ein Pfeil, mit Füßen und Flügeln nachhelfend, auf der glatten, von kleinen Felsmauern unterbrochenen Waldfläche hinab; wir warfen die Büchsen weg und in rasender Eile ihm nach; wenn nicht der Jagdeifer uns gleichsam beflügelt hätte, wir wären mindestens zehn Mal Jeder bedenklich gestürzt; so aber sahen und hörten wir nichts als den Adler, welcher jeden Augenblick aus dem Gesichtskreise  zu verschwinden drohte. Schneller als ich es schreibe, waren wir ein tüchtiges Stück hinab auf einer weniger steilen Fläche angelangt, er konnte nicht mehr so schnell fort und setzte sich zur Wehre. Nun hieß es mit dem dräuenden, nicht zu verachtenden Gegner den persönlichen Kampf aufnehmen. Er spreizte die Flügel und hieb mit Schnabel und Krallen furchtbar um sich; ich gab Seppel eine starke Schnur, zog meinen Lodenrock aus, stürzte mich damit über ihn und drückte ihn zu Boden, Seppel packte nun seine Fänge und band sie zusammen. Während ich nun meinen Begleiter um die Büchsen zurückschickte, machte sich der Gefangene noch einmal los, wurde aber ebenso überwältigt, in den Rock gewickelt, mit einem Tragbande gleich einer geschossenen Gemse  zusammengemacht und am Rücken von Seppel zum Bauernhause getragen, wo uns großer Jubel und Erstaunen über unseren Erfolg empfing. Aus einer leichten Zerrüttung der Federn am Halse vermutheten wir bei genauer Besichtigung, dass ihn meine zweite Kugel dort gestreift.     Der Triumph meiner Stoderer Freunde über den glücklichen Fang, die Reise mit dem Adler nach Salzburg, wo ich ihn bis jetzt bei mir hielt, könnte in einzelnen Momenten zu recht heiteren und komischen Schilderungen verarbeitet werden; hier aber will ich mit der Mittheilung schließen, dass er noch am selben Tage Nahrung annahm, oft zwar recht wild im Käfig tobte, später aber beim Füttern die Fleischstücke ganz artig von einem spitzen Stäbchen, mit dem ich sie reichte, wegnahm und sich vollkommen wohl befindet. Am 25. August schickte ich denselben an die kaiserliche Menagerie in Schönbrunn ab.

      
Die Arbeiter Zeitung vom 21.2.1925 berichtet von zwei gefangenen Steinadlern, von denen ebenfalls einer dem Tiergarten Schönbrunn gespendet wurde. 

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