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Stodertalfreunde

Am 27. März 1929 war in der "Tages Post" und im "Tiroler Anzeiger" die Geschichte vom Osterhasen Adolar zu lesen. Seither sind rund 90 Jahre vergangen, genug Zeit um sich daran zu erinnern.


Wie gewisse Sommerfrischler sich bei den Einheimischen unbeliebt machen, darüber berichtete das "Linzer Tagblatt" und "Die Arbeiter Zeitung" im August 1919.
Nachstehend der Artikel:
Mit welchen Mitteln die reichen Wiener arbeiten, um sich den Sommeraufenthalt bei uns in Oberösterreich zu erzwingen und recht gemütlich zu gestalten, zeigt deutlich folgendes Geschichtchen aus Hinterstoder:So wie schon seit mehreren Jahren wollte auch heuer wieder die Familie eines frisch geadelten Millionärs, die immer ein großes, modern hergerichtetes Bauerngut der Jagdbesitzerin und ehemaligen Gräfin R. bewohnte, hierher kommen. Sie richtete ein Ansuchen an die Gemeindevorstehung, das jedoch trotz einer in diesem Falle, zugesagten Spende von 1000 Kronen für die Ortsarmen vom sozialdemokratischen Ernährungsausschuß glatt abgelehnt wurde, da die Angehörigen dieser Familie immer auch noch einen ganzen Troß von Dienstboten mitbrachten und als arge Hamsterer weit und breit bekannt und gefürchtet waren (voriges Jahr wurde ihnen zum Beispiel bei der Abreise eine ganze Kiste mit Butter und Fett etc. auf der Station draußen konfisziert!) so ist der Beschluß gerecht und lobenswert; die Sozialdemokraten (Tischlermeister Dietl sen., Zimmermann Thaller, Maurer Klausner und Schuhmachermeister Grabner) hatten sich damit um das ganze Tal, besonders aber um die kleineren bedürftigen Leute verdient gemacht. Zur Charakteristik dieser Sommerfrischler muß erwähnt werden, daß sobald sie angekommen waren, mit dem gleichen Tage auch schon nichts mehr zu bekommen war. Eigene Leute wurden herumgeschickt bis über Vorderstoder hinaus, die alles aufkauften und bei Erfolg reichlich entlohnt wurden. Alles Geflügel wurde zusammengekauft, der Herr Pfarrer lieferte sogar ein Jungschwein um 1700 Kronen, Butter brachten die Bäuerinnen in ihrer Profitgier in Körben auf dem Kopfe am helllichten Tage und wurden dafür natürlich mit allen möglichen Geschenken und Tabak bedacht. Eier, Schwämme und Waldbeeren, alles wurde den Herrschaften gebracht; die Waren wurden natürlich zu Wucherpreisen verkauft und auch gern bezahlt. Das Geld spielte dabei eben keine Rolle. Die Familie schwelgte geradezu in allen möglichen Genüssen. Sie erhielt acht bis zehn Liter Milch täglich und litt an Wildbret und Forellen auch keinen Mangel. Schon beim Frühstück  bog sich sozusagen der Tisch, wie eine Angestellte unliebsamer Weise ausplauderte; Schinken und andere Delikatessen wurden aufgetragen und nach diesem Muster gings natürlich  auch bei den Hauptmahlzeiten zu, man aß sich manchmal einfach durchs ganze Tierreich (Fisch, Geflügel, Braten etc.) hindurch. Der Mann war, daß muß der Wahrheit gemäß gesagt werden, sanft, ein ganz sympathischer Charakter, der auch nebenbei manches für die Gemeinde tat. Er kam meistens nur kurz zu Jagdzwecken herein, während sich der desto arroganter auftretende Herr Sohn recht unliebsam bemerkbar machte, indem er es für angemessen hielt, sich in dieser schweren Zeit auch noch Reitpferde hereinkommen zu lassen, was in so einem kleinen armen Dorf und unter der abgerackerten und ausgeschundenen Arbeiterbevölkerung natürlich gerechtes Ärgernis ertragen mußte. Die Pferde wurden mit Hafer und Heu gut gefüttert, während manche Leute oft kaum Futter für ihre einzige Ziege aufbringen konnten. So werden auch in weltentlegenen, kleinen, friedlichen Orten den Leuten langsam die Augen geöffnet und nun findet der Beschluß, die Leute nicht mehr hereinzulassen, allgemein Billigung....So treiben es eben gewisse Wiener und mehren die Abneigung des Landes gegen Wien....  






Ganz alte Hinterstöderer wußten noch, aus Erzählungen ihrer Vorfahren, die Geschichte von einem Taglöhner, der irrtümlich einen Burschen erstochen hat und sich gleich als er es erkannte bei seinem Opfer dafür entschuldigt hat. Da war es aber schon zu spät. Nachstehend der Bericht dazu in der Steyrer Zeitung vom 16.12.1883.
  Der 24 Jahre alte ledige Taglöhner zu Mitterstoder Johann Bieda saß wegen des Verbrechens des Totschlags auf der Anklagebank.Der Anklageschrift entnehmen wir hierüber Folgendes:Am 28. Oktober 1883 sollte zu der zum Stögergute (Stegergut) des Johann Hotz in Hinterstoder gehörigen "Haarstube" gebrechelt werden (Flachs zu Leinen verarbeiten). Mehrere Burschen von Hinterstoder, darunter der Bauernknecht Franz Baumschlager, trugen für die Dirnen (Mägde) die Brechelmaschinen in die Haarstube, in der sich bereits der Hüttlersohn Anton Prieler und Johann Bieda eingefunden hatten. Als Baumschlager des Bieda ansichtig wurde, schimpfte er denselben, weil dieser dem Stögergutsbesitzer Hotz angeblich mitgeteilt hatte, dass er des Nachts Besuche bei dessen Magd mache. Bieda entfernte sich bald darauf aus der "Haarstube"und ging gegen das Stögergut, wo er als Taglöhner bedienstet war, ohne weiter etwas zu sagen. Prieler folgte ihm aber auf dem Fuß nach, trotzdem er von Baumschlager vor Bieda gewarnt wurde und räusperte sich in sehr auffälliger Weise so lange er hinter Bieda ging. Wie nun der Besitzer des Stögergutes Johann Hotz angibt, hörte er damals seinen Taglöhner Bieda rufen: "Lasst mich gehen, ich steh sonst für nichts gut". Gleich darauf schrie einer zum Vorhaus hinein: "Stöger, deinen Knecht hat einer gestochen." Als Bieda in das Haus kam rief er fluchend: "Heut ist`s mir schon alles eins, weil ich schon gar keinen Frieden haben kann, wenn ich auch einen erstochen hab`". Baumschlager, der dem Prieler nachging hörte, als dieser und Bieda schon nahe dem Stall waren, den Bieda rufen, ohne zu vernehmen was derselbe schrie und gleich darauf kam Prieler mit den Worten zurück: "Aus ist`s mich hat er gut gestochen". Prieler ging noch ein paar Schritte und fiel dann tot zu Boden. Sein Tod erfolgte nach dem gerichtsärztlichen Gutachten durch Verblutung, indem durch ein spitzes Messer die linke Halsschlagader unter dem Schlüsselbein durchschnitten war. Der Stich war mit großer Heftigkeit geführt worden.Johann Bieda - der nach seiner blutigen Tat floh, sich aber bald darauf selbst stellte - war, wie in der Voruntersuchung so auch vor dem Schwurgericht seiner Tat vollkommen geständig, nur behauptet er, seine Verfolger (Baumschlager und Prieler) hätten ihn in der Mitte gehabt und einer habe ihn mit der Achsel gestoßen, der andere ihn am Rock gezupft. Er will keinen der Beiden gekannt haben und erst als laut geschrien wurde, sei er zur Kenntnis gekommen, dass es Prieler sei, den er getroffen habe. Er sei schauerlich in Zorn gewesen und habe kaum gewusst was er tut. Auf Vorhalt des Herrn Präsidenten, daß nach den Aussagen aller Anton Prieler ein sehr gutmütiger, fröhlicher und harmloser Mensch gewesen sei, den alle gern hatten, der niemand etwas zu Leide getan hat, brach der Angeklagte in heftiges Schluchzen aus und beteuerte: Er habe den Prieler um den ihn sehr leid tue, nicht umbringen wollen und überhaupt nicht gewusst nach wem er stach. Bei dem offenen Geständnis des Angeklagten (dessen Leumundszeugnis dahin lautet, dass er roh und gewalttätig sei) beschränkte sich der Herr Verteidiger in seinem Plädoyer wesentlich auf Geltendmachung der zu Gunsten des Angeklagten sprechenden vielfachen Milderungsgründe, so dessen heftiger Charakter, das fortwährende Reizen, die vielfache Verhöhnung, die gänzlich mangelnde Absicht zu töten, das umfassende Geständnis usw. - Die Geschworenen gingen ihrerseits noch weiter und verneinten nach längerer Beratung mit 8 gegen 4 Stimmen die Frage ob Bieda des Totschlags schuldig sei. Dieser wurde darauf vom Gerichtshof freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen.  
Die alte "Haarstube" links (gibt es nicht mehr), rechts die Stegerkapelle ca.1880.


Die Steger Kapelle ca.1950                                                                                                  Gemälde von Dr. Wladimir Iwasiuk
Am 14. Jänner 1912 berichtete das "Salzburger Volksblatt" von einer Wilderertragödie, die sich in den Wäldern oberhalb des Gleinkersees zugetragen hat.Durch das Wildern in herrschaftlichen Revieren trachteten oft junge, mutige Burschen, die aus Not karge Kost in ihrer Familie aufzubessern. Obwohl Wilddiebstahl streng verboten war, galt ein Wilderer bei vielen armen und "kleinen Leuten" als mutig, furchtlos und einer, "der es denen da droben schon zeigte." Er konnte sicher sein, dass sein Wildern niemals verraten wurde.Mitunter entstanden auch gefährliche Situationen wie in dem Zeitungsartikel berichtet wird.
In St. Pankraz, gleich gegenüber, an der Einfahrt in das Stodertal, ist ein interessantes Wilderermuseum das Interessierte besuchen sollten. 
Gleinkersee

Aus Tagespost Linz am 7.12.1911